Vor der Caravan-Reparatur ist eine eingehende Beratung des Kunden notwendig. Foto: Adobe Stock 179195771

Caravan-Boom als Chance

12.05.2020 | Management

In Deutschland gibt es rund 1,2 Millionen zugelassene Wohnwagen und Wohnmobile – ein interessantes Geschäftsfeld für Karosserie- und Lackierbetriebe. David Kukies, Technical Service Specialist bei Spies Hecker, gibt wertvolle Tipps, wie sich K&L-Betriebe als kompetenter Ansprechpartner für Caravan-Reparaturen positionieren können.

Anzeige

David Kukies, Technical Service Specialist bei Spies Hecker. Foto: Spies Hecker

Welche Dienstleistungen, Produkte und Schulungen haben Sie für die Reparatur von Caravans und Wohnmobilen im Programm?

David Kukies: Die Caravan-Seminare, die Spies Hecker regelmäßig veranstaltet, sind für K&L-Betriebe eine solide Basis, sich in das Thema einzuarbeiten. Dabei lernen die Teilnehmer zunächst die im Caravan-Bau verwendeten Substrate wie etwa Verbundmaterial, GFK, Kunststoffe und Aluminium kennen, erfahren viel über die bauartbedingten Besonderheiten der Caravan-Reparatur, erhalten Einblicke in die optimalen Reparaturmethoden und erweitern im praktischen Teil gleichzeitig ihr handwerkliches Können.

Zudem stellen wir unseren Kunden einen umfassenden Caravan-Leitfaden zur Verfügung, der Betrieben, die ins Geschäft mit der Caravan-Reparatur einsteigen möchten, einen Überblick über alle notwendigen Maßnahmen bietet. Dieser findet sich auf unserer Spies Hecker Webseite – einfach hier den Suchbegriff „Caravan“ eingeben. Zudem bietet ein spezielles Caravan-Leistungsprofil in Repscore.Net Fachwerkstätten die Möglichkeit, ihr Leistungsportfolio unter anderem Schadensteurern im Internet zu präsentieren.

Wie groß ist die Nachfrage nach Know-how und Produkten für das Instandsetzen in der Branche? Können Sie beziffern, wie stark das Interesse seitens der K&L-Betriebe über die letzten Jahre gestiegen ist?

David Kukies: Durch unsere langjährige Zusammenarbeit mit Verbänden, Herstellern und Sachverständigen kann ich sagen, dass wir einen recht guten Überblick über den Caravan-Reparaturmarkt haben. Die Nachfrage ist groß. Unsere Seminare sind in kürzester Zeit ausgebucht. Das zeigt uns, dass es ein starkes Interesse im Markt gibt.

Ursache ist sicherlich der gestiegene Fahrzeugbestand. Wir haben seit 2005 eine Verdopplung an Fahrzeugen: Heute gibt es über 1,2 Millionen zugelassene Wohnmobile und Wohnwagen in Deutschland. Viele Menschen kaufen sich ein Wohnmobil, wenn sie in Rente gehen. Sie erfüllen sich damit einen langgehegten Traum und sind dementsprechend auch bereit, dafür Geld in die Hand zu nehmen – und somit auch Geld für Schönheitsreparaturen auszugeben. Sie wollen es in und an ihrem rollenden Wohnzimmer so schön wie möglich haben. Wir sehen daher die Caravan- und Wohnwagenreparatur definitiv als einen stark wachsenden Markt.

K&L-Betriebe brauchen speziell geschultes Personal für die Bearbeitung eines Caravans. Foto: Adobe Stock 188581720

Über welche Voraussetzungen sollte ein Betrieb verfügen, um sich erfolgreich in der Caravan-Instandsetzung zu etablieren? Was benötigt er z.B. an Hebebühnen, Lackierkabinen, Equipment, Personal, etc.?

David Kukies: Hier verweisen wir auf die Vorgaben der Caravan-Fachzertifizierung des ZKF. Dort werden die komplexen Voraussetzungen für einen Betrieb exakt benannt. Das fängt zum Beispiel bei baulichen Dingen wie den Werkstatt- und Kabinentoren an, die natürlich größer sein müssen als in einem reinen Pkw-Betrieb. Sie brauchen speziell geschultes Personal für die Bearbeitung eines Caravans mit seiner Gasanlage, Wasserversorgung und Elektrik. Über eine sehr ausführliche Liste mit den Besonderheiten und Voraussetzungen verfügt der ZKF

Müssen Lackierer und Karosseriebauer über eine spezielle Ausbildung verfügen, um an weiterführenden Schulungen für das Reparieren von Wohnmobilen zu beginnen?

David Kukies: Aus unserer Sicht empfiehlt sich für die Lackierer eine spezielle Schulung. Hier bieten wir gerne unsere Hilfe in Form der bereits erwähnten Seminare an. Hier erfahren die Teilnehmer, wie sie den Produkt-Mix bzw. die verschiedenen Untergründe sachgerecht bearbeiten können. Zudem erhalten sie klare Aufbauempfehlungen.

Der Karosseriebauer muss einen speziellen Lehrgang machen, der die Bereiche Gas und Elektrik umfasst. Enorm wichtig, wenn man bei der Instandsetzung größerer Schäden keine kostspieligen oder sogar lebensgefährlichen Fehler machen möchte. Hier bietet beispielsweise die Fahrzeugakademie in Schweinfurt entsprechende Kurse zur Fachkraft für Caravan-Technik an. Übrigens gibt es auch beim ZKF spezielle Lehrgänge für die Reparatur der sogenannten Sandwich-Platten.

Beim CIVD finden die Reparaturbetriebe Anleitungen für häufig vorkommende Reparaturen bei den gängigsten Marken und Kalkulationsansätze für einige Beispielreparaturen. Foto: Adobe Stock 284638303

Stellt das Reparieren von Reisemobilen K+L-Betriebe vor weitere Herausforderungen, die sich vom Pkw-Geschäft unterscheiden, z.B. in puncto Dokumentation, Schadenabwicklung, technisches Wissen, Kommunikation mit Reisemobilherstellern und Vermietern?

David Kukies: Ja, es gibt sehr große Unterschiede zum Pkw-Geschäft. Alle Pkw-Hersteller definieren klare Vorgaben für die Reparatur und Lackinstandsetzung von Karosserieteilen, legen darin allgemeingültige Zeitvorgaben und Arbeitswerte fest. Bei der Caravan-Reparatur gibt es jedoch immer nur den Einzelfall. Caravans und Wohnwagen sind handwerkliche Kleinserien, für die kaum ein Kalkulationstool wie bei der Reparatur eines Pkw existiert. Das heißt für den Betrieb: Der Dialog mit dem Sachverständigen und den Herstellern ist wichtig.

Zusätzliche Unterstützung bietet das Reparaturhandbuch des Caravan Industrie Verband e.V. (CIVD). Dort finden die Reparaturbetriebe Anleitungen für häufig vorkommende Reparaturen bei den gängigsten Marken und Kalkulationsansätze für einige Beispielreparaturen.

In den Caravan-Seminaren von Spies Hecker erfahren die Teilnehmer viel über die Besonderheiten der Caravan-Reparatur. Foto: Adobe Stock 314090546

Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Reisemobilbranche ein? Glauben Sie, dass sich das Caravan-Schadengeschäft nachhaltig verändern könnte?

David Kukies: Derzeit kann wohl niemand eine genaue Analyse abgeben. Klar ist nur, dass derzeit die meisten Fahrzeuge stehen. Ob dies von den Besitzern zur Reparatur oder Auffrischung ihres Caravans genutzt wird, können wir derzeit nicht beurteilen. Allerdings versuchen einige unserer Kunden, diese Fahrzeughalter jetzt gezielt anzusprechen.

Anzeige

Anzeige