Die Preissteigerungen für Karosserieersatzteile liegen regelmäßig über der Inflationsrate. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft wirft den Automobilherstellern daher vor, sie trieben die Preise in die Höhe. Bild: Bkomm

Ersatzteile wieder deutlich teurer

30.09.2020 | Management

Karosserieersatzteile sind in den vergangenen zwölf Monaten deutlich teurer geworden. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nennt eine Steigerung von knapp fünf Prozent. Der GDV verglich 20 beispielhafte Ersatzteile für „34 im Zeitverlauf vergleichbare Fahrzeugtypen“. Besonders hoch waren die Steigerungen bei den Stoßfängern (hinten: plus 8,1 Prozent, vorn: plus 7,5 Prozent) und beim Stoßfängerquerträger hinten, der um 7,0 Prozent teurer wurde. Im Durchschnitt ergibt sich eine Zunahme der Preise um 4,7 Prozent. Dieser deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegende Wert könnte die aktuelle Diskussion um den Designschutz und die sogenannte Reparaturklausel noch einmal anheizen.

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So titelt der GDV nun auch „Autohersteller treiben die Ersatzteilpreise“. Er argumentiert, möglich werde der „seit Jahren hohe Preisanstieg durch ein Quasi-Monopol der Hersteller“. Damit liegt der GDV auf einer Linie mit dem ADAC, dem Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) sowie dem Verbraucherzentrale Bundesverband.

Der Streitpunkt zwischen Automobilhersteller und ihren Kritikern: Die Autohersteller lassen sich das Design ihrer Modelle gesetzlich schützen, um Nachahmungen zu verhindern. Unter diesen Schutz fallen alle sichtbaren Teile – also dürfen auch sichtbare Ersatzteile allein von den Automobilherstellern verkauft werden. Unabhängige Ersatzteilhersteller sind daher nach Ansicht von Experten von diesem Markt ausgeschlossen. Danach hätten die Automobilhersteller tatsächlich für diese Teile eine Art Monopol. Und Monopole treiben in der Regel immer die Preise nach oben.

Der Streit darüber währt schon seit Jahrzehnten. Anfang September ist der Bundestag auf den ersten Blick den Forderungen nach Abschaffung dieser Monopolstrukturen entgegengekommen. Im Rahmen des Gesetzes zur Stärkung des fairen Wettbewerbs verabschiedeten die Abgeordneten auch die sogenannte Reparaturklausel, die den Ersatzteilmarkt vom Designschutz ausnimmt. Der große Pferdefuß dabei heißt „Bestandsschutz“. Die Reparaturklausel soll nämlich nur für Designs gelten, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes eingetragen werden.

„Autohersteller treiben die Ersatzteilpreise“

Ersatzteile werden teurer

Bei Reparaturen wie dieser sind zahlreiche Ersatzteile nötig: ein immer größer werdender Kostenpunkt für die Betriebe. Bild: Memory Stockphoto/shutterstock.com

Damit entfaltet sie frühestens in 25 Jahren echte Wirkung. Denn sie gilt nicht für alle aktuellen Modelle und auch nicht für neue, deren Design noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz angemeldet wird. Das kritisieren GDV, ADAC, der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) sowie der Verbraucherzentrale Bundesverband in einer gemeinsamen Stellungnahme zur Entscheidung des Bundestags. Sie fordern, dass die Reparaturklausel „auch für ältere Fahrzeuge Anwendung finden soll“.

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