Nach Ansicht von ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer brauchen die Betriebe ihre Fachkräfte, um nach der Krise wieder durchstarten zu können. Foto: ZDH

Nehmen Sie Ihre Fachkräfte mit

29.05.2020 | Management

Alles ist anders? Nein – Fachkräfte bleiben auch weiter gefragt. Wie Sie Ihr Team optimal auf den Neustart nach Corona vorbereiten können und welche Maßnahmen zu Mitarbeiterkommunikation und -führung sinnvoll sind, wissen Arbeitspsychologin Dr. Hannah Schade und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.

Ihre Kompetenz als Geschäftsführer ist in diesen Monaten geforderter denn je. Unternehmerische Entscheidungen müssen Sie schnell, aber besonnen fällen. Gleichzeitig die aktuelle Auftragslage und Ihre Kunden im Blick behalten. Und dann ist da noch Ihr Team, das durch die aktuelle Situation verunsichert ist.

„Die Betriebe wissen eines sehr genau: Sie brauchen ihre eingearbeiteten, leistungsstarken und qualifizierten Fachkräfte, um nach der Krise wieder durchstarten zu können“, so Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands Deutsches Handwerk (ZDH). Dass viele Betriebe ihre Mitarbeiter halten, zeige sich für ihn daran, dass man vielerorts auf Kurzarbeit setze und von Entlassungen absehe. Mitarbeiter halten ist die eine Frage. Eine andere Frage ist, was in der jetzigen Situation ganz besonders bei der Mitarbeiterführung zu beachten ist.

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Hannah Schade Leibniz Institut für Arbeitsforschung

Dr. Hannah Schade rät zu Transparenz im Umgang mit den Mitarbeitern. Foto: Leibniz-Institut für Arbeitsforschung

Alle in einem Boot

Psychologisch gesehen ist es das Schlimmste, wenn der Mensch nicht weiß, was auf ihn zukommt“, erklärt Dr. Hannah Schade, Arbeitspsychologin beim Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Dortmund. Heißt im Umkehrschluss: Je umfassender ein Mitarbeiter über die aktuellen Entwicklungen im Betrieb informiert ist, desto besser kann er mit seiner eigenen Situation umgehen.

„Wenn er das Gefühl hat, ein Bild von der Lage zu haben, kann wieder gestalterischer Wille einsetzen“, so die Expertin. Daher ist ihrer Meinung nach Transparenz gerade in Krisenzeiten ausgesprochen wichtig. „Nichts dient der Teambildung mehr als ein gemeinsames Projekt, zu dem alle gestalterisch und eigenverantwortlich beitragen. Das Meistern dieser Krise kann an sich schon als teambildende Maßnahme verstanden werden, wenn man strukturell und kommunikativ dafür sorgt, dass alle in einem Boot sind.

Vor allem schwierige Entscheidungen, die für die Belegschaft unter Umständen weitreichende Konsequenzen haben, sollten zeitnah und nachvollziehbar kommuniziert werden, so etwa, wenn es um das Thema Kurzarbeit geht. Das Gleiche gilt für Umstellungen im Betriebsablauf durch Schichtarbeit. Hier sollten die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich mit Vorschlägen einzubringen. „Zudem steigt die Solidarität untereinander, wenn man besser über die Situation der anderen informiert ist. Wenn ich etwa weiß, dass ein Kollege kleine Kinder zu Hause zu betreuen hat, dann bin ich eher bereit, z.B. meine Schicht mit ihm zu tauschen oder Ähnliches“, erläutert Hannah Schade.

Transparenz ist wichtig

Darüber hinaus empfiehlt die Expertin, der Belegschaft Gesprächsangebote zu machen: „Weisen Sie darauf hin, dass Sie jederzeit ansprechbar sind und sich bemühen, bei individuellen Herausforderungen mit dem Mitarbeiter Lösungen zu finden.“ Denn konstruktiv miteinander umzugehen hilft nicht nur beiden Seiten in einer Krise, sondern ist auch ein wichtiger perspektiver Ansatz für die Zeit nach der Krise. ZDH-Präsident Wollseifer: „Mitarbeiterbindung ist in der aktuellen Situation ein ganz entscheidender Ansatz, um nicht im Anschluss an die Corona-Krise vom Fachkräftemangel betroffen zu sein. Weiterbildung etwa auch über E-Learning-Angebote und in Verbindung mit Kurzarbeit ist dabei ein vielversprechender Ansatz, der sich auch in anderen wirtschaftlich angespannten Lagen bereits bewährt hat.“

Neben fachlichen Fortbildungen sollten dabei auch gesundheitsfördernde Maßnahmen wie Online-Gesundheitskurse von Krankenkassen berücksichtigt werden. „Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, dass Ihnen ihre Gesundheit am Herzen liegt“, so Dr. Hannah Schade. „Jeden Tag, nicht nur in extremen Situationen.“ Als Spezialist für physische und psychische Arbeitsgesundheit beruft sich das Institut hier auf langjährige Erfahrung aus der Forschung. Wertschätzung für das gesamte Team, aber auch die Wahrnehmung der oft unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen Mitarbeiters führen nach Ansicht der Experten zu einem positiven Teamgeist – dem Rezept auch für unternehmerischen Erfolg. „Arbeitsgesundheit ist einer der Schwerpunkte unseres Instituts und ich kann Ihnen sagen: Prävention zahlt sich aus.“

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