Der erleichterte Zugang zur Kurzarbeit wurde verlängert. Die Bundesregierung schafft gleichzeitig Anreize, Mitarbeiter in die Betriebe zurückzuholen. Bild: shutterstock/Thomas Stockhausen

„Stärken stärken, Schwächen schwächen“

19.07.2021 | Management

Die Ausnahmesituation dauert an, eine Rückkehr zur Normalität ist jedoch absehbar. Die Bundesregierung verlängert und erweitert ihre Hilfen für Betriebe in Not. Unternehmensberaterin Marina Markanian teilt ihre bisherigen Erfahrungen und klärt auf, welche Angebote K&L-Betriebe in Anspruch nehmen können.

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Die zweite Halbzeit des zweiten Corona-Jahres ist angepfiffen und mit Beginn des Julis gehört die Pandemie seit 16 Monaten zum Alltag. Von der grundsätzlichen Situation abgesehen, hat niemand mit einem solch langen Zeitraum gerechnet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Betriebe staatliche Hilfen brauchen. „Die K&L-Branche ist aufgrund des wesentlich geringeren Verkehrsaufkommens und der Scheu von Kunden in den Werkstätten vorbeizukommen, erheblich betroffen”, stellt Unternehmensberaterin Marina Markanian fest. Die Bundesregierung hat abfedernde Maßnahmen unter anderem mit dem erleichterten Zugang zur Kurzarbeit geschaffen und deren Antragsfrist um drei Monate bis zum 30. September 2021 verlängert. Betriebe, die erstmals bis zum neuen Fristende oder nach dreimonatiger Unterbrechung erneut Kurzarbeit einführen, können die erleichterten Zugangsbedingungen zum Kurzarbeitergeld bis Ende dieses Jahres in Anspruch nehmen.

Fristen verlängert und neue Prämie geschaffen

Weiterhin gilt die niedrigere Schwelle von 10 anstatt 30 Prozent der Beschäftigten, die von Arbeitsausfällen betroffen sein müssen. Leiharbeiter bekommen ebenfalls Zugang zum Kurzarbeitergeld. Minijobber auf 450-Euro-Basis jedoch nicht. Ist die Kurzarbeit bei Auszubildenden unvermeidbar, haben auch sie einen Anspruch darauf: Sechs Wochen wird die Ausbildungsvergütung weitergezahlt und ab der siebten Woche gibt es das Kurzarbeitergeld. Ebenfalls bis zum 30. September 2021 wurde die Überbrückungshilfe III verlängert und im Namen um ein „Plus“ erweitert. Die KfW-Corona-Hilfen wurden bis Jahresende ausgedehnt und Betriebe können unter spezifischen Voraussetzungen Schnellkredite beantragen. Um Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückzuholen oder neu einzustellen, schafft die Bundesregierung Anreize: Mit steigenden Personalkosten erhalten Unternehmen die Restart-Prämie als Zuschuss zur bestehenden Personalkostenpauschale. 60 Prozent werden bezuschusst, wenn sich im Juli die Personalkosten im Vergleich zum Mai dieses Jahres erhöht haben. Im August sind es 40 und im September 20 Prozent Zuschuss. Mit der abnehmenden Staffelung soll ein möglichst schneller Genesungsprozess angeregt werden.

Frau Markanian

Ansprechpartnerin für K&L-Betriebe in schwierigen Zeiten wie diesen – Beraterin Marina Markanian. Bild: bpr Mittelstandsberatung

Kundenstruktur und Flexibilität machen den Unterschied

Die bpr Mittelstandsberatung ist seit vielen Jahren Fachberater für K&L-Betriebe jeglicher Größenordnung. Alle ihre Mandanten hätten das Kurzarbeitergeld zu Beginn des ersten Lockdowns beantragt. „Eine vorsorgliche Anmeldung haben wir empfohlen, um den Prozess zu beschleunigen und bei Bedarf kurzfristig in Kurzarbeit gehen zu können“, erläutert Unternehmensberaterin Marina Markanian. Ihr Kundenstamm sei völlig unterschiedlich betroffen: Von einem Betrieb mit 100 Prozent Kurzarbeit bis hin zu Werkstätten mit einem Rekordjahr sei alles dabei. „Betriebe, die vorher schon gut und breit aufgestellt waren, mussten das Kurzarbeitergeld gar nicht oder nur ein bis zwei Monate in Anspruch nehmen“, so die Beobachtungen der Beraterin. Vom Standort oder der Betriebsstruktur sei dies nicht auszumachen. Vielmehr sei die Kundenstruktur und die Reaktionsfähigkeit der Betriebe entscheidend, erläutert Markanian und erwähnt einen ihrer Mandanten, bei dem ein städtischer Kunde den heruntergefahrenen öffentlichen Nahverkehr nutzte, um seine Busflotte wieder frisch zu machen.

Kassensturz und Neuausrichtung

Der zweite Lockdown im Dezember 2020 habe die von ihr betreuten K&L-Betriebe deutlich härter getroffen, was die Unternehmensberaterin mit dem Vorlauf an Aufträgen begründet, der im ersten Lockdown noch vorhanden war: „Viele Werkstätten waren einen Vorlauf von sechs bis acht Wochen gewohnt. Nach einem Dreivierteljahr Corona waren alle Aufträge abgearbeitet und es gab nur noch Vorläufe von bis zu zwei Wochen.“ Mit Reaktionsfähigkeit meint Markanian den Umgang mit dieser geringeren Planungssicherheit und die Offenheit, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Sie rät zum einen durch einen Kassensturz die Liquiditätsreserven zu checken und zum anderen die Krisenzeit zu nutzen, um sich neu aufzustellen und „Stärken zu stärken, Schwächen zu schwächen und sich eine Perspektive von außen dazu zu holen.“ Dies könne der Steuerberater, Spies Hecker Produkt Systemberater, IDENTICA Systemberater oder ein Betriebsberater sein.

Ausführlichere und individuelle Informationen erhalten Kunden von Spies Hecker über die Fördermittelhotline des Profi-Clubs oder bei der bpr Mittelstandsberatung unter coronahilfe@bpr-mb.de.

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