Thomas Behl, Leiter der Reparaturtechnik bei dem Allianz Zentrum für Technik.

Der Schlüssel zum Erfolg

18.11.2022 | Nachhaltigkeit

Für den Leiter der Reparaturtechnik bei dem Allianz Zentrum für Technik, Thomas Behl, ist der Fortschritt zum Thema „Instandsetzen statt Erneuern“ in Werkstätten eine Definitionsfrage. Er ist der Meinung, dass vor allem ausreichende Stundenverrechnungssätze der Schlüssel zum Erfolg sind.

 

Anzeige

Hat sich „Instandsetzen statt Erneuern“ in den Kfz-Betrieben bereits durchgesetzt?

Thomas Behl: Inwiefern sich die Instandsetzung gegenüber der Erneuerung bereits in den Werkstätten durchgesetzt hat, ist eine Frage der Definition. Wir sind der Überzeugung, dass eine Instandsetzungsquote optimalerweise auf einzelne vergleichbare Bauteile, zum Beispiel für Front-Stoßfängerverkleidungen, Türen oder Seitenwände getrennt ausgewiesen und betrachtet werden sollte. Die unterschiedlichen Bauteile sind hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit von Instandsetzungen individuell zu bewerten.

Oder wird noch zu viel erneuert?

Thomas Behl: Das lässt sich schlecht verallgemeinern. Aus Sicht des AZT besteht durchaus die realistische Chance, die Instandsetzungsquote bestimmter Bauteile signifikant zu erhöhen. Dazu kann auch die Politik durch entsprechende Vor- bzw. Freigaben beitragen.

Was müssen die Betriebe verbessern, um Instandsetzung voranzutreiben?

Thomas Behl: So lange die Margen auf ein Neuteil die Erneuerung auf den ersten Blick besonders lukrativ erscheinen lassen, ist viel Kommunikation nötig, die Instandsetzung zu fördern. Die aktuellen teils extrem langen Lieferzeiten und die Unternehmenspolitik einzelner Fahrzeughersteller, die ET-Margen zu reduzieren, bringen sicherlich einige zum Umdenken in Richtung Instandsetzung. Auch der Fokus in Richtung Nachhaltigkeit, dem sich kein Unternehmer derzeit entziehen kann, wird darauf einzahlen.

In welchen Bereichen sehen Sie noch Nachholbedarf?

Thomas Behl: In einigen Bereichen: Sowohl die Kunden sollten wissen, dass eine Instandsetzung teilweise deutlich besser für den Werterhalt ihres Fahrzeugs sein kann. Andererseits sehen wir, dass immer mehr Leasingfahrzeuge und auch die Leasinggeber eine sach- und fachgerechte Instandsetzung als passenden Reparaturweg anerkennen sollten und nicht auf die Erneuerung von Bauteilen bestehen.

Wie können bzw. müssen die Autohersteller Instandsetzung erleichtern?

Thomas Behl: Hilfreich wäre es sicherlich, wenn die Fahrzeughersteller in deren Reparaturleitfäden herausheben, dass eine sach- und fachgerecht ausgeführte Instandsetzung als Mittel der Wahl für eine Schadensreparatur anzusehen ist. Die Interessenlage auf OEM-Seite geht jedoch oftmals in eine andere Richtung: Man will schließlich auch Ersatzteile verkaufen.

Was sind die wichtigsten neuen Arbeitsmethoden und -tools, die Instandsetzung in größerem Umfang möglich machen?

Thomas Behl: Die Werkzeuge zur Instandsetzung von Blechschäden sowohl im Stahl- als auch im Aluminiumbereich werden kontinuierlich weiterentwickelt und ermöglichen somit auch bei neuen Fahrzeugmodellen und immer dünneren Außenhautblechen die Instandsetzung. Auch die Fähigkeiten qualifizierter und erfahrener Karosseriebauer sind nicht zu unterschätzen: Vieles ist bereits möglich, wird jedoch noch nicht immer umfassend realisiert. Auch im Kunststoffbereich stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, die Instandsetzungen insbesondere von Stoßfängerverkleidungen ermöglichen.

Wie unterstützt das AZT die Werkstätten bei dieser Entwicklung?

Thomas Behl: Seitens Allianz Zentrum für Technik führen wir regelmäßig Instandsetzungen sowohl an Blech- als auch an Kunststoffbauteilen durch und versenden die Ergebnisse als sogenannte AZT-Reparaturbeispiele an die Abonnenten. Tipps zu Instandsetzungsmöglichkeiten, unter anderem auch aus dem Caravan-Bereich, sind neben weiteren Themen in den AZT-Technischen Mitteilungen enthalten, die regelmäßig an die Abonnenten versendet werden. Darüber hinaus stehen wir im regelmäßigen Austausch sowohl mit Fahrzeugherstellern als auch mit den unterschiedlichen Branchenverbänden, um Ansatzpunkte für eine Unterstützung von Werkstätten zu diskutieren und Lösungen daraus abzuleiten.

Tragen nach Ihrer Einschätzung die Stundensätze der Versicherer dem höheren zeitlichen Aufwand von Instandsetzungsarbeiten bereits Rechnung?

Thomas Behl: Liegt der Zeitbedarf für eine Instandsetzung bei X Stunden ist dieser erst einmal unabhängig von den Stundenverrechnungssätzen. Zu diskutieren bleibt am Ende, ob die Stundenverrechnungssätze der Werkstätten aktuell für die einzelnen Gewerke kostendeckend sind oder ob der einzelne Betrieb nicht eher eine Querfinanzierung, unter anderem mittels Ersatzteilmargen oder dem Lackmaterial, betreibt. Strebt man eine Erhöhung der Instandsetzungsquote an, kann dies letztlich nur mit auskömmlichen Stundenverrechnungssätzen funktionieren. Wo diese liegen, können wir jedoch nicht beziffern.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf das Thema Instandsetzung?

Thomas Behl: Aus Sicht des AZT hängt die Digitalisierung nicht zwangsläufig direkt mit dem Thema Instandsetzung zusammen. Digitalisierung muss in diesem Zusammenhang differenziert betrachtet werden. Versteht man Digitalisierung hier aber als Kundenerwartung „Einfach, schnell und unkompliziert“, dann kann dies für die Werkstätten zu einem Erfolgsfaktor werden: Durch Instandsetzung kann sich der Betrieb unabhängiger von äußeren Einflüssen wie Ersatzteilverfügbarkeit etc. machen. Die Kunden erhalten ihr Fahrzeug also innerhalb kürzester Zeit repariert zurück, sofern die Prozesse entsprechend ausgelegt sind. Bei entsprechender Ausstattung des Betriebs könnten den Kunden z.B. auch der aktuelle Status des Reparaturablaufs mitgeteilt werden. Hier sehen wir durchaus Chancen für Betriebe, sich entsprechend aufzustellen.

Mehr Stimmen aus der Branche finden Sie hier.

 

 

Anzeige

Anzeige