Eine Ladesäule ist mit mehr Aufwand verbunden als eine Wallbox. Betriebe können die Boxen nutzen, um Kundenfahrzeuge als Service zu betanken. Bild: iStock/Canetti

Laden oder nicht laden?

11.10.2021 | Nachhaltigkeit

Die Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen steigen stark – wenn auch von einer sehr niedrigen Basis ausgehend. Daher werden Batteriefahrzeuge zunehmend häufiger zur Instandsetzung in Lackier- und Karosseriebetrieben auftauchen. Benötigen die Werkstätten dann auch eigene Ladesäulen? Das hängt von der Unternehmensphilosophie ab.

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Klar ist: Ein Lackier- und Karosseriebetriebe ist genauso wenig verpflichtet, ein Elektrofahrzeug mit vollgeladener Batterie an den Kunden zurückzugeben, wie einen klassischen Verbrenner nach der Reparatur vollzutanken. Aber als zusätzlicher Service zur Kundenbindung könnte ein Unternehmer es für sinnvoll halten. Zumal die Summen, um die es geht, deutlich geringer sind. Einen leeren Tank mit 60 Liter Superkraftstoff zu füllen, verursacht ein Vielfaches der Kosten, die entstehen, wenn eine leere Batterie mit – je nach Kapazität – 40 bis 100 Kilowattstunden Strom geladen wird.

Günstigste Lösung für weniger als tausend Euro

Werkstätten, die in diesen Service einsteigen möchten, bieten sich verschiedene Möglichkeiten, wie Michael Zierau, Referatsleiter Technik beim ZKF erläutert: „Die einfachste und günstigste Variante für die Betriebe ist es, eine mobile Wallbox zu beschaffen, die an jede 380-Volt-Steckdose angeschlossen werden kann und die Fahrzeugbatterie meist mit Leistungen zwischen 11 und 22 Kilowatt auflädt.“ Dafür reicht oft ein dreistelliger Euro-Betrag. Damit kann man instandgesetzte Fahrzeuge aufladen oder auch eigene E-Fahrzeuge, die vielleicht als Leihfahrzeuge für Kunden dienen.

Doch bei jedem Ladesystem für Elektrofahrzeuge gilt, dass es beim jeweiligen Energieversorger angemeldet werden muss, betont Zierau. Ladesäulen mit Leistungen von mehr als elf Kilowatt muss man sich sogar vom Energieversorger genehmigen lassen, weil diese möglicherweise die Energieversorgung gefährden, falls das Stromnetz nicht zuvor entsprechend angepasst oder verstärkt wird.

Höhere Ladeleistung = höhere Kosten

Zwar sind die Stromversorgungen von K&L-Betrieben schon von Haus aus auf höhere Lasten ausgelegt. Denn beim Widerstandspunktschweißen werden oft Leistungen im zweistelligen Kilowattbereich benötigt. Doch, so betont Zierau, es macht für das Stromnetz einen großen Unterschied, ob etwa elf oder 22 Kilowatt nur für Sekunden oder wie beim Laden über lange Zeit abgerufen werden. Teurer wird es bei höheren Ladeleistungen auf jeden Fall. So sind Schnelladesäulen schon in der Beschaffung teurer. Zudem muss der Betrieb mit seinem Energieversorger oft eine höhere Spitzenleistung vereinbaren – und dafür zahlen. Richtig tief in die Tasche greifen muss der Unternehmer aber, wenn Stromleitungen verstärkt, also meist dickere Kabel verlegt werden müssen und dafür Erdarbeiten erforderlich sind. Die Energieversorger sind zwar verpflichtet, bei Bedarf das Stromnetz entsprechend zu ertüchtigen, erläutert Michael Zierau. Aber sie dürfen den Betrieb, der dies beantragt, an den Kosten beteiligen.

Zuschüsse nur für öffentlich nutzbare Ladesäulen

Einfluss auf die Kosten hat auch die Entscheidung, ob eine Ladesäule nur dem Betrieb oder auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Nur wenn sie öffentlich ist und mit Grünstrom betrieben wird, kann der Betrieb teils erhebliche Zuschüsse vom Bund sowie aus speziellen Förderprogrammen der Bundesländer bekommen. Aber „öffentlich“ heißt wirklich: für jedermann zugänglich. Was bedeutet, dass der K&L-Betrieb selbst kein Vorrecht zur Nutzung der Säule hat. Wenn dort häufig andere Nutzer ihre E-Fahrzeuge betanken, muss er das hinnehmen. Zwar kann nach Betriebsschluss das Firmengelände abgesperrt werden, sodass dann bis zum nächsten Morgen nur der K&L-Betrieb selbst Zugriff auf die Säule hat. Allerdings halbiert sich beispielsweise in einem aktuellen Förderprogramm des Bundes der Zuschuss, wenn eine Ladesäule nicht rund um die Uhr öffentlich zugänglich ist. Wenn eine Mindestöffnungszeit nicht erreicht wird, ist gar kein Zuschuss möglich.

Bei den öffentlichen Ladesäulen taucht noch eine weitere Herausforderung auf, auf die Michael Zierau hinweist. Kein Unternehmen wird Strom an jedermann verschenken wollen — und daher Geld fürs Laden verlangen. Damit wird der Ladesäulenbesitzer aber zum Stromverkäufer, der den gleichen Regeln und Anforderungen unterliegt, wie ein Energieversorgungsunternehmen – von der geeichten Ladesäule bis zur Einhaltung verschiedenster Gesetze. Um diesen Aufwand zu umgehen, bieten Energieversorger oder auch Ladesäulenhersteller oft Vertragskonstruktionen an, bei denen sie selbst oder über Partner, die Ladesäulen auf dem Gelände eines Unternehmens aufstellen, sie warten, die Abrechnung und alle gesetzlichen Pflichten übernehmen. Dies sind die sogenannten Betreiberkonzepte, also der Betrieb des Ladepunktes durch einen Dienstleister. Zwar bekommt dann das Unternehmen eine gewisse Summe dafür, dass es den Platz für die Säule zur Verfügung stellt. Ansonsten ist es aber ein Kunde, wie jeder andere auch, der für den entnommenen Strom bezahlen muss.

Josip Juratovic

Marko Franke: Der Inhaber zweier Lackier- und Karosseriebetriebe in Ellichleben und Gotha bietet das Laden von instandgesetzten Fahrzeugen als Service-Leistung an. Bild: IDENTICA Franke

Über die NOW-GmbH können Förderprogramme und allgemeine Infos zur Ladeinfrastruktur abgerufen werden: https://www.now-gmbh.de/de/bundesfoerderung-ladeinfrastruktur/foerderrichtlinie-foerderaufrufe

Infos zu Betreiberkonzepten sind unter anderem hier zu finden:

https://app.mennekes.de/e-mobility/mennekes/de-DE/start

https://www.mobilityhouse.com/de_de/

… Elektropionier Marko Franke

Der Lackier- und Karosseriebetrieb von Marko Franke ist seit über einem Jahr ein Tesla Approved Body Shop. Der Identica-Betrieb im thüringischen Ellichleben ist damit ein Vorreiter bei der Unfallinstandsetzung von Fahrzeugen mit Hochvolt-Technik. Wie hält er es mit dem Thema Ladesäulen?

Herr Franke, wie viele Ladesäulen für E-Fahrzeuge haben Sie in ihrem Betrieb?

Franke: Wir verfügen über einen Charger von Tesla mit maximal 22 kW Ladeleistung.

Wofür benötigen Sie den Charger?

Wir laden damit ausschließlich instandgesetzte Fahrzeuge, um Sie – als Serviceleistung – dem Kunden vollgeladen zu übergeben.

Können Sie mit dem Tesla-System auch andere E-Fahrzeuge „betanken“?

Ja, das ist mit einem Adapter möglich.

Sehen Sie die Chance, mit öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten an ihrem Standort zusätzliche Umsätze zu erzielen?

Nein, wir sind hier sehr ländlich strukturiert. Niemand würde zum Stromtanken zu uns kommen. Und ich müsste dafür sicher eine Schnellladesäule installieren, die wegen ihres hohen Leistungsbedarfs – ohne entsprechende Netzanpassung – vermutlich die Stromversorgung im Ort zusammenbrechen lassen würde.

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