Prüfung bei der Reparatur: Kann hier instandgesetzt werden oder muss ein Austausch von Teilen erfolgen? Foto: Spies Hecker

Nachhaltigkeit – ein Thema für die Versicherungen?

15.03.2020 | Nachhaltigkeit

Papierloses Büro, umweltgerechte Energie oder reparieren statt erneuern. Das Spektrum der Nachhaltigkeit ist groß. Aber gibt es heute schon klare Forderungen der Kunden an die Karosserie- und Lackierwerkstätten?

Ist Nachhaltigkeit ein Thema für die Kunden der Karosserie- und Lackierbetriebe? Zu den größten Auftraggebern gehören z.B. die Versicherer. Spielt es für sie bei der Entscheidung für oder gegen eine Werkstatt bzw. ein Werkstattnetz eine Rolle, ob die Betriebe um nachhaltige Prozesse bemüht sind? Fragen wir doch einfach einmal drei der größten deutschen Kfz-Versicherer, ob und ggf. wie sie mit dem Komplex Nachhaltigkeit umgehen.

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 Immerhin haben alle drei den Begriff bereits im Blickfeld. Die Allianz gibt auf Nachfrage an, dass man als Unternehmen seit vielen Jahren engagiert sei, umweltbewusst und nachhaltig zu arbeiten. Als Beweis bietet sie im Internet einen englischsprachigen Nachhaltigkeitsbericht an. Die HUK-Coburg erklärt, dass im Rahmen des nachhaltigen Handelns „die Aspekte Kapitalanlage, Compliance und Datenschutz sowie Umweltbelange” hohe Aufmerksamkeit genießen, und behandelt diese Themen im nichtfinanziellen Bericht. Die R+V legt einen mehr als 100-seitigen Nachhaltigkeitsbericht vor und teilt auf Anfrage mit, Nachhaltigkeit sei seit jeher Bestand der Unternehmenskultur.

Klingt gut, doch wirkt sich dieses Bewusstsein auch auf das Handeln – sprich: das Geschäft mit den Werkstätten – aus? Oder ganz gezielt die Frage: Spielt es für die drei Versicherer eine Rolle bei der Auswahl der Werkstätten, ob diese sich um nachhaltiges Wirtschaften bemühen? Die Allianz antwortet hier recht allgemein. Man prüfe im Werkstattnetzwerk stetig, wie man einen eigenen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten könne – dies sei ein wichtiges Thema. Martin Meier, Kfz-Versicherungsexperte der R+V, hierzu: „Bei Vertragsabschluss werden von den Dienstleistern Kriterien wie ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung abgefragt und eingefordert.”

Konkreter gestalten sich die Aussagen der HUK-Coburg: Zusammen mit den 1.600 Partnerwerkstätten habe man schon früh auf eine papierlose und somit ressourcenschonende Kommunikation umgestellt. „Darüber hinaus ist die HUK-Coburg als Gesellschafter des Kraftfahrzeugtechnisches Instituts (KTI) auch an der Weiterentwicklung effizienter und damit ressourcenschonender Reparaturmethoden beteiligt. Grundsätzlich favorisieren wir, sofern möglich, das Instandsetzen von Teilen gegenüber dem Austausch”, so die Auskunft der Pressestelle.

„Bislang steht das Thema Nachhaltigkeit bei der Entscheidung für oder gegen ein Werkstattnetz bei den großen Leasing- und Flottenanbietern nicht im Zentrum des Entscheidungsprozesses“, so Stephan Ortmann, FLI Manager Axalta. Er kennt jedoch erste Unternehmen, die ihre Kriterien um den Punkt Umwelt ergänzen. „Hier sind es dann Themen wie die Entsorgung oder der Umweltschutzbeauftragte des Werkstattpartners, der in diesen Listen auftaucht.“ Dennoch geht Ortmann davon aus, dass Umwelt und Nachhaltigkeit in Zukunft mehr ins Blickfeld rücken. Aus diesem Grund, so der Experte, hat RepScore.net entsprechende Profilfragen bereits in seine Kriterienliste aufgenommen.

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