Geschäftsführer der Innovation Group: Matthew Whittall.

Die Lösung aller Probleme

8.11.2022 | Porträt

Branchen-Trends frühzeitig erkennen und die richtigen Schlussfolgerungen ziehen – das sind die beiden Kernkompetenzen, die man als Geschäftsführer der Innovation Group haben sollte. Matthew Whittall vereint beide und leitet daher – mit kurzer Unterbrechung – seit 1999 den deutschen Ableger des britischen Schadenmanagement-Unternehmens in Stuttgart. Ein Gespräch über seine außergewöhnliche Laufbahn, die Liebe zum Gleitschirmfliegen und warum Smart Repair ein Schritt zurück zu den Ursprüngen des Karosseriebaus ist.

 

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Vom Start-up zum global agierenden Konzern

Als Matthew Whittall im Jahr 1991 aus Yorkshire nach Bayern kam, ahnte er noch nicht, dass er Jahre später Chef eines der wichtigsten Schadensmanagement-Unternehmen Deutschlands mit 350 Mitarbeitern sein würde. Ursprünglich zog es den gebürtigen Engländer – der in seiner Heimat Wirtschaft und Fremdsprachen studiert hatte – wegen seiner Leidenschaft zum Paragliding in die bayerischen Alpen. Whittall heuerte bei einem Gleitschirmhersteller an und arbeitete sich dort bis zum Geschäftsführer hoch. Im Jahr 1999 zog er dann aber nach Stuttgart und wechselte die Branche. Seine neue Stelle: Geschäftsführer eines kleinen Start-ups namens Motorcare. Dort hatte Whittall nicht mehr mit Gleitschirmen, sondern mit Autos zu tun. Hoch hinaus ging es trotzdem für ihn. Denn Motorcare – später vom britischen Unternehmen Innovation Group aufgekauft – war der erste Schadensteuerer Deutschlands. „Wir haben mit Versicherern zusammengearbeitet und deren Reparaturaufträge an Werkstätten weitervermittelt. Dafür hatten wir extra ein kleines Reparaturnetz aufgebaut. Unser erster Kunde war die Württembergische Versicherung – deswegen sitzen wir auch heute noch im Stuttgarter Westen“, erinnert sich Whittall. Mittlerweile ist die Innovation Group Germany die wichtigste Niederlassung des global agierenden Konzerns.

Große Herausforderungen für die K&L-Branche

Aktuell widmet sich das Unternehmen vor allem den großen Herausforderungen, vor denen die K&L-Branche momentan steht. Nicht nur die durch die Corona-Pandemie und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gestörten internationalen Lieferketten und höhere Energiepreise zwingen die K&L-Branche zum Umdenken. Auch die gewachsene Sensibilität der Verbraucher in puncto Nachhaltigkeit erfordert neue Prozesse. Das sind zugegeben keine leichten Aufgaben. Dabei liegt die Lösung beider Probleme laut Matthew Whittall klar auf der Hand: Instandsetzen statt Erneuern. Auf diese Weise ließen sich Lieferprobleme umgehen und darüber hinaus auch noch CO2 einsparen – die genaue Bilanz lassen die Innovation Group und einige Lackmarken derzeit noch vom Fraunhofer Institut untersuchen. „Es ist, als würden wir mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn dadurch, dass wir nichts raus- und reinschneiden müssen, verkürzt sich auch die Reparaturzeit deutlich. Ergo: Werkstätten können der Knappheit ihrer Ersatzfahrzeuge wieder Herr werden“, erklärt Whittall.

Zu viel ungenutztes Potenzial

Allerdings stagniert die Entwicklung hin zu mehr Instandsetzungen bereits seit Längerem. In den letzten zehn Jahren sind laut dem Experten keine deutlichen Verbesserungen zu erkennen gewesen. Das liegt vor allem an den restriktiven Vorgaben der Hersteller, aber auch an ungenutzten Potenzialen in den Werkstätten. Vor allem bei Frontschäden könnten K&L-Betriebe viel mehr reparieren, als das aktuell getan wird. Whittall und die Innovation Group versuchen, die Mitglieder ihres Werkstattnetzes dafür zu sensibilisieren: „Wir sind in engem Austausch mit unseren Betrieben und haben ein Leistungsbaustein-System entwickelt, mit dem wir diese bewerten. Ein Kriterium ist, ob die Voraussetzungen für Instandsetzungen geschaffen wurden.“ Die Bilanz des Geschäftsführers: „Bisher haben wir uns darauf konzentriert, dass die Betriebe die notwendigen Werkzeuge und Schulungen vorweisen können. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und sagen: Okay, die Voraussetzungen sind da, aber wie häufig wird es tatsächlich umgesetzt?“

 

 

Vor allem bei Frontschäden könnten K&L-Betriebe viel mehr reparieren, als das aktuell getan wird.

 

Mit Smart Repair zurück zu den Ursprüngen

Ganz nebenbei kehre die K&L-Branche damit auch zu ihren Ursprüngen zurück: „Blechteile zu formen ist ja das, was Karosseriebauer ursprünglich getan haben – deswegen heißen sie in Bayern bis heute Spengler. Hier kann man dann auch wirklich sagen: ‚Wir arbeiten nur mit Originalteilen.‘ Vor allem Besitzer von extrem hochwertigen Fahrzeugen honorieren das. Methoden wie beispielsweise Smart Repair sind also eine Chance, wieder im ursprünglichen Handwerk zu glänzen.“ In seinem ursprünglichen Metier – der Gleitschirmbranche – möchte Matthew Whittall hingegen nur noch privat glänzen: „Ich habe erkannt, dass es manchmal schön ist, wenn das Hobby nicht dein Job ist. Denn jede Arbeit ist ab und zu mit Stress verbunden. Jetzt fliege ich zwar noch, aber kann mich dabei voll entspannen.“

Mehr Texte zum Thema in der aktuellen Color News Ausgabe.

 

 

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