Zuverlässiger Partner in Sachen Kalibrierung: Das Kraftfahrzeugtechnische Institut.

Die richtige Einstellung

24.06.2022 | ProfiTipps

Präzision ist bei der Kalibrierung das A und O. Was dabei sonst noch wichtig ist, erklären Detlef Wedemeyer und Helge Kiebach vom Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI). Sie beschäftigen sich seit Jahren mit diesem Thema und sind Experten auf dem Gebiet.

 

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Herr Wedemeyer, Herr Kiebach, es bietet sich an, dass wir in ein Gespräch zum Thema Kalibrierung mit der Frage einsteigen, wie wichtig die richtige Einstellung in diesem Spezialgebiet ist.

Helge Kiebach: Die Frage ist durchaus berechtigt. Denn Präzision ist das A und O in diesem Bereich, sowohl beim Gerät als auch bei der Person, die die Sensoren an einem Fahrzeug kalibriert.

Detlef Wedemeyer: Die richtige Einstellung ist beim Menschen und bei der Maschine gleichermaßen wichtig. Wenn Sie nicht mit der notwendigen Sorgfalt an dieses Thema herangehen und auf die korrekte Funktionsweise des Gerätes achten, sind Fehler vorprogrammiert. In unseren Versuchen hat sich deutlich gezeigt, dass die Sorgfalt des Anwenders der größte Einflussfaktor für die Genauigkeit der Kalibrierung ist.

Welche sind die häufigsten Fehlerquellen, die Ihnen begegnen?

Detlef Wedemeyer: Mitunter sind es ganz banale Dinge. Wie gerade schon erwähnt, können schon kleine Nachlässigkeiten bei der Aufstellung eines Kalibriergerätes zu Fehlern führen, die dann weder vom Anwender noch vom System direkt bemerkt werden. Bei allen Diagnosearbeiten ist es wichtig, dass die Bordnetzspannung von 12 Volt aufrechterhalten wird. Findet keine Spannungserhaltung statt, dann kann die Kalibrierung schlimmstenfalls zwischendurch abbrechen und der Vorgang muss neu gestartet werden.

Helge Kiebach: Und so selbstverständlich es klingt: Kalibrieren Sie stets nach den tagesaktuellen Herstellervorgaben für das Fahrzeug, an dem Sie gerade arbeiten. Mitunter kann es vorkommen, dass die Vorgaben vom Montag am Freitag nicht mehr aktuell sind. Und ein weiterer wichtiger Punkt: Dokumentieren Sie, nach welchen Vorgaben Sie gearbeitet haben. Sprich, archivieren Sie die verwendeten Leitfäden. So können Sie im Zweifelsfall auch im Nachhinein belegen, woran Sie sich orientiert haben.

Der Dreiklang lautet also Informieren – Kalibrieren – Dokumentieren?

 

Auffahrt Herkules Hebebühne

Detlef Wedemeyer, Werkstattleiter beim KTI.

Detlef Wedemeyer: Wenn wir unter dem Aspekt „Informieren“ sowohl die Berücksichtigung von Herstellervorgaben als auch die beständige Weiterbildung der Mitarbeiter verstehen, dann können wir das durchaus so stehenlassen.

Sie bieten in Zusammenarbeit mit dem ZKF Seminare zu diesem Thema an …

Detlef Wedemeyer: Richtig. Und wir sehen, dass es eine konstant hohe Nachfrage gibt. Meiner Meinung nach liegt das an den rasanten Weiterentwicklungen, die es in diesem Bereich gibt.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Detlef Wedemeyer: Die Verknüpfung der Systeme wird immer komplexer. Früher haben Sie eine Windschutzscheibe getauscht und mussten nur die Sensoren kalibrieren, die in der Windschutzscheibe verbaut sind. Heute kann es je nach Fahrzeugtyp sein, dass diese Sensoren mit anderen Sensoren im Fahrzeug verknüpft sind und Sie diese ebenfalls justieren müssen.

Helge Kiebach: Ich möchte noch ergänzen, dass zum Informieren auch gehört, sich mit den Funktionsweisen des eingesetzten Gerätes genau 

auseinanderzusetzen. Wir empfehlen unbedingt, dass ein Mitarbeiter des Geräteherstellers bei Auslieferung die Personen in die Bedienung einweist, die mit dem Gerät arbeiten werden. Es sollte bei der Anschaffung dieser teils sehr kostenintensiven Apparate unbedingt beachtet werden, ob der Hersteller einen guten Service anbietet.

Woher weiß ich, welches Gerät für mich das passende ist?

Helge Kiebach: Wir beobachten hierzu ständig den Markt und haben in einem ausführlichen Bericht („Fachgerechte Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen“) eine Übersicht der gängigen Geräte erstellt. In diesem Bericht, der unter www.repair-pedia.eu in seiner aktuellen Version verfügbar ist, werden auch wichtige Hinweise zur Durchführung einer fachgerechten Kalibrierung gegeben. Hier sind die technischen Merkmale der Geräte aufgeführt und Ergebnisse der Prüfung auf Praxistauglichkeit dargestellt. Über neue Geräte und Entwicklungen informieren wir zudem mit unseren technischen Informationen, die unter www.k-t-i.de kostenlos abgerufen werden können.

Wir waren eingestiegen mit der Frage der richtigen Einstellung. Worauf der Mensch im Kalibrierungsprozess zu achten hat, das ist nun deutlich geworden. Welche Einstellungen müssen bei der Maschine gegeben sein?

Helge Kiebach: Die Maschine registriert es selbst nicht, wenn etwas mit ihr nicht stimmt. Ein Beispiel: Hat ein Gerät eine Beschädigung, etwa durch einen Stoß oder eine Erschütterung, „merkt“ es das selbst nicht. Hier sollte unbedingt der Hersteller zu Rate gezogen werden, der dann die korrekte Funktionsweise überprüft und gegebenenfalls wieder herstellt.

 

Detlef Wedemeyer: Tatsächlich gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, wie oft und von wem Kalibrierungsgeräte überprüft werden müssen – es liegt im Ermessen des Betriebes. In jedem Fall sollten die Kalibrierwerkzeuge als Messgeräte angesehen und mit der entsprechenden Sorgfalt behandelt werden.

Wir haben es bei allen Sensoren mit äußerst sensiblen Systemen zu tun, die mit ihren Messungen maßgeblich für die Fahrsicherheit sind. Wie ist sichergestellt, dass hier keine Datenmanipulation von außen stattfinden kann?

Helge Kiebach: Dies obliegt den Fahrzeugherstellern. Stichwort: Security Gateway. Die Hersteller müssen dafür sorgen, dass nur autorisierte Personen Zugriff auf die Systeme haben. Das heißt, der Hersteller muss identifizieren können, wer Zugriff auf die Fahrzeugelektronik zum Beispiel im Zuge einer Sensorkalibrierung hatte. Schon heute wird das durch die Registrierung in den Hersteller Portalen gelebt. In Zukunft wird es für Betriebe zunehmend wichtig werden, sich diese Zugangsmöglichkeiten zu verschaffen und gegebenenfalls entsprechend zu autorisieren.

Wer kalibriert, muss gleichzeitig auch digitalisieren?

Helge Kiebach, Leiter der Schadenforschung beim KTI.

Helge Kiebach, Leiter der Schadenforschung beim KTI.

Helge Kiebach: Diese Prozesse können Sie analog nicht abbilden. Kurzum: Ja, der Grad der Digitalisierung steigt in den Betrieben durch immer komplexere Kalibrierungsvorgänge und immer höhere Sicherheitsvorgaben. Je mehr sicherheitskritische Funktionen in das Fahrzeug kommen und je öfter sich Fahrzeuge durch Updates Over-the-Air ändern, desto digitaler werden die Vorgänge rund um die Instandsetzung des Fahrzeuges.

Vielen Dank für das interessante Gespräch. Wir können sicher sein, dass dieses Thema in Zukunft unsere Branche und unser Magazin noch deutlich stärker beschäftigen wird.

Detlef Wedemeyer bei Arbeiten an einem Fahrzeug.

Detlef Wedemeyer bei Arbeiten an einem Fahrzeug.

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