Lieber temperiert als teuer – Lackieren im Winter erfordert Wärme. Bild: Shutterstock 172853138/ R. Valitov

Lieber temperiert als teuer

24.11.2021 | ProfiTipps

Die Kälte kriecht unter die Haut. Aber auch ins Material. Dirk Sauer, Technischer Manager bei Axalta, liefert wichtige Tipps zur Verarbeitung und Lagerung von Lacken im Winter.

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Draußen der erste Frost. Drinnen unangenehm kühl. Zeit für die Heizung. Doch heizen kostet Geld. Angesichts rasant steigender Energiekosten mag so mancher Unternehmer den Dreh am Heizungsventil daher gerne herauszögern. Dirk Sauer: „Eine verständliche Reaktion. Doch eine zu niedrige Hallen-, Mischraum- oder Lagertemperatur führt schnell zu Schäden, die in der Folge deutlich mehr Kosten verursachen als eine optimale Wohlfühltemperatur.“

Womit der Experte einerseits natürlich an das Wohl der Mitarbeiter denkt, andererseits aber auch an das Wohl der Materialien. „Gerade in der momentanen Phase sollte der Unternehmer natürlich darauf achten, dass Zugluft und Kälte draußen bleiben. Denn schnell führen diese Faktoren zu Erkältungskrankheiten mit anschließendem Arbeitsausfall.“ Wenn dann auch noch ein Virentest notwendig wird…

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Besser den Tagesbedarf am Vorabend in eine warme Umgebung stellen. Dann legt der Lackierer am nächsten Morgen mit wohl temperiertem Material los. Bild: Axalta

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Achtung Frost: Moderne Lacke sollten bei der Verarbeitung 20 bis 25°C warm sein. Bild: Shutterstock 220815247/ trendobjects

Doch nicht nur der menschliche Körper reagiert empfindlich auf zu niedrige Temperaturen. Auch die Chemie mag es lieber angenehm temperiert. „Moderne Lacke sollten bei der Verarbeitung zwischen 20 und 25°C warm sein. Bei diesen Temperaturen ist eine optimale Reaktion zwischen Klarlack und Härter sichergestellt.“ Und vor allem im Lager muss der Frost außen vor bleiben. „Die optimale Lagertemperatur liegt zwischen 15 und 20°C.“

Denn durch niedrigere Temperaturen werden die Lacke dickflüssiger, ihre Viskosität steigt an. In der Folge verdünnt der Lackierer beim Mischprozess intuitiv überproportional das Material und wundert sich dann in der Kabine über Lackierfehler wie zum Beispiel Läuferneigung, mattes Wegschlagen und ggf. Glanzverlust. Dirk Sauer: „Besser den Tagesbedarf am Vorabend in eine warme Umgebung stellen. Dann kann der Lackierer gleich am nächsten Morgen mit wohl temperiertem Material loslegen.“

Frank Forst, Vertriebsleiter Spies Hecker
Dirk Sauer, Technischer Manager bei Axalta. Bild: Bkomm
„Stellen Sie das Fahrzeug möglichst einige Stunden vor der Lackierung in die beheizte Halle.“

In diesem Zusammenhang macht Sauer auf einen weiteren Punkt aufmerksam. „Auch die Fahrzeuge bzw. die zu lackierenden Komponenten sollten nicht aus dem Frost direkt in die Bearbeitung gelangen. Denn durch den Temperaturunterschied bildet sich womöglich ein feiner Feuchtigkeitsfilm auf den Oberflächen und in Hohlräumen.“ Was zu Problemen bei Verlauf, Oberflächenbenetzung und Haftung der Materialien sowie in der Folge zu Blasenbildung führen kann. Sein Rat: „Stellen Sie das Fahrzeug möglichst einige Stunden vor der Lackierung in die beheizte Halle.“

Schmutz und vor allem Salz sollten da bereits sorgfältig abgewaschen sein. Denn gerade das aggressive Streumittel kann durch Osmose spätere Lackfehler wie etwa Blasenbildung verursachen. „Vermeiden lässt sich dies durch eine sehr sorgfältige Reinigung der Karosserieteile. Bitte achten Sie darauf, dass sich die Salze nur in Wasser lösen – verwenden Sie daher auch immer einen wässrigen Silikonentferner.“ Die dafür eingesetzte Zeit macht sich später in der Qualität und Langlebigkeit der Lackierung bezahlt.

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