Das Geschäft mit der Instandsetzung von Freizeitmobilen kann durchaus lohnend sein, wie ein Besuch im Betrieb von Johann Jerlitschka zeigt. Bild: Bkomm

Dynamische Geschäftsfelder

29.11.2021 | Reportage

Camping liegt seit Jahren voll im Trend. Tendenz steigend. Davon können auch K&L-Betriebe profitieren, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Welche das sind und was es letztendlich bringt, zeigt ein Besuch beim Betrieb Jerlitschka Karosserie Lackiererei. Er bietet Reisemobil-, Caravan- und KFZ-Service in Wermelskirchen im Bergischen Land.

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„Platz, breit aufgestelltes Personal und Kontakte“, zählt Geschäftsführer Johann Jerlitschka die Anforderungen für ein Bestehen im Caravan-Geschäft auf. Bis zu 20 Prozent seines Gesamtumsatzes macht die Arbeit an Wohnmobilen und Wohnwagen mittlerweile aus. Den Großteil davon erwirtschaftet der Karosseriebau- und Lackierermeister durch den klassischen K&L-Betrieb im wenigen Kilometer entfernten Remscheid. 13 Mitarbeiter führen dort Karosserie- und Lackierarbeiten im Schadensteuerungsgeschäft und für privat Kunden aus. Was in Wermelskirchen im Jahr 2006 mit einem Neubau als Karosserie- und Lackierwerkstatt mit Kfz-Service entstand, ist seit drei Jahren die Anlaufstelle für Reisemobile und Caravans in der Region und darüber hinaus. Um sich breiter aufzustellen, entschloss sich Jerlitschka den Betrieb umzuwandeln und das klassische K&L-Geschäft auszulagern: „Ich kannte mich vorher schon mit der Materie aus, da ich privat Campingurlaub mache und Kontakt zu umliegenden Werkstätten hatte “. Kein Wunder, schließlich ist er seit 28 Jahren in Wermelskirchen im Kfz-Bereich aktiv. Entsprechend schnell habe sich der Service an Freizeitfahrzeugen bei Kunden und Fachhändlern rumgesprochen.

Keine Teile ohne Scheine

Ein wahrer Glücksgriff war die Verstärkung durch René Köhn. Einer von drei Mitarbeitern in diesem Geschäftsbereich. Der Kfz-Meister wird von einem weiteren Mechaniker und einem Serviceberater, der ebenfalls gelernter Mechaniker ist, unterstützt. Der 38-jährige Mechaniker kam von einem auf Reisemobile und Caravans spezialisierten Betrieb und brachte eine Wohnwagenladung Wissen und Kontakte zur Branche sowie Herstellern mit. Ein Allrounder. Ob Sanitär, Elektrik oder Schreinerarbeiten – Köhn weist Expertise in all diesen Bereichen auf und hat Schulungen sämtlicher Hersteller und eine Umschulung zum Caravan-Techniker durchlaufen. Das ist notwendig, denn ohne Schulungen und Scheine geht wenig bis gar nichts. „Kann der fachmännische Umgang im Betrieb nicht nachgewiesen werden, liefern Hersteller keine Ersatz- oder Bauteile“, führt Köhn aus. Diese Nachweise dienen für Hersteller und ausführende Betriebe als rechtliche Absicherung, vor allem bei sicherheitsrelevanten Bereichen wie Fahrwerk, Luftfedern oder Gasanlage. Einige Hersteller setzen für den Einbau von Ersatzteilen eine Service-Partnerschaft und geschulte Mitarbeiter voraus.

Multiplat: Fahrzeug-Grundierung, -Lackierung und -Politur

Dieses Wohnmobil steht kurz vor der Lackierung. Es müssen nur noch Fenster, Klappen, Markise und Verkleidungen ausgebaut werden. Bild: Bkomm

HighTech im Karosseriebereich

Wohnanhänger sind in der Minderheit. Reisemobile füllen hauptsächlich die Betriebshalle. Bild: Bkomm

Lieferengpässe führen zu hohen Standzeiten

Mehr Zeit als im herkömmlichen K&L-Geschäft ist zum einen bei der Ersatzteilbeschaffung und zum anderen im Umgang mit Kunden nötig. „Momentan warten wir mehrere Wochen, in manchen Fällen sogar Monate auf Ersatzteile. Acht Wochen ist bei uns zurzeit die durchschnittliche Standzeit“, berichtet Köhn. Ersatzteile und Zubehör bezieht der Betrieb vom Großhändler Movera und ist auch eine Partnerschaft eingegangen. Bezugsquellen sind auch regionale Entwickler wie Linnepe, aber in den meisten Fällen kommen die Teile von den großen Herstellern selbst . „Es ist zeitintensiver als das klassische K&L-Geschäft, da die Kunden viel mehr Erklärungen erwarten und vorab Recherche nötig ist, um den Markt zu überblicken“, führt der Caravan-Techniker aus. Das Zubehörgeschäft macht einen Großteil des Umsatzes aus: 90 Prozent der Aufträge generieren sich aus diesem Bereich und aus Karosseriearbeiten. Häufig nachgefragt werden im Schrank verbaute WLAN-Router, Solar- oder SAT-Anlagen und Wechselrichter. Bei Karosseriearbeiten sind es hauptsächlich Hubstützen und Anhängerkupplungen. Lediglich 10 Prozent machen Lackierarbeiten an Freizeitfahrzeugen aus, obwohl eine große Lackierkabine von acht Metern Länge, vier Metern Breite und 3,50 Meter Höhe vorhanden ist. Diese größte und teuerste Anschaffung hat sich der Geschäftsführer damit gespart und schätzt seine Investitionen auf 30.000 bis 40.000 Euro für Geräte und Werkzeuge: „Wir brauchten eine größere Hebebühne und viel Spezialwerkzeug wie Gas-Tester oder Fehlerlesegeräte.“ Der finanzielle Aufwand für Schulungen sollte nicht unterschätzt werden, ergänzt Köhn: „Jeder Hersteller führt seine eigenen Schulungen durch. Die Kosten variieren von ein paar Hundert bis Tausende Euro.“

Andreas Schanz Spies Hecker

Geschäftsführer Johann Jerlitschka (links) und Reisemobil-Spezialist René Köhn. Bild: Jerlitschka 

„Über den K&L-Bereich kommen viele Aufträge für Reisemobile und Caravans rein und andersrum. “

Arbeit an Freizeitfahrzeugen ist Saisonarbeit. Von Februar bis zum Sommer sei die Nachfrage hoch. Von Ende Sommer bis zu den Herbstferien gebe es eine kurze Ruhephase, bevor es dann wieder anziehe. Die Wintermonate werden für Unterbodenreparaturen, Erneuerung des Unterbodenschutzes und Karosseriearbeiten aufgrund von Feuchtigkeitsschäden genutzt.

Ferienzeiten sind Stoßzeiten

Alles in allem ist Johann Jerlitschka froh, diesen Schritt gegangen zu sein: „Über den K&L-Bereich kommen viele Aufträge für Reisemobile und Caravans rein und andersrum. Die beiden Geschäftsfelder befruchten sich gegenseitig. Es ist aber schon etwas anderes und sollte gut überlegt sein“, gibt der Betriebsleiter zu Bedenken. Insbesondere Mitarbeiter wie René Köhn seien Gold wert, denn der Fachkräftemangel bereite auch ihm Sorgen. Die von ZKF und CIVD geplante Fachrichtung „Caravan- und Wohnmobiltechniker“ im Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker“ begrüßt Jerlitschka mit einem Augenzwinkern: „Gute Sache, wenn man dann auch Auszubildende dafür findet.“

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