Langjährige Zusammenarbeit: Axel Jung (links) und Spies Hecker Anwendungstechniker Sigurd Goedicke.

Spiele ohne Grenzen

25.04.2022 | Reportage

​Vor fast 100 Jahren eröffnete Axel Jungs Großvater im saarländischen Homburg eine Wagnerei, in der er Pferdeanhänger und Anhänger für die Landwirtschaft fertigte und auch damals schon spezialwünsche und Nischenbedürfnisse erfüllte. Das scheint im Blut zu liegen, denn der Enkel führt die Tradition fort und liefert Sonderanfertigungen, die ihresgleichen suchen.

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Zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Euro kosten die A6 Jung Race Shuttle, die Axel Jung in seinem 120 Mann Betrieb fertigt. Rennteams aus der ganzen Welt bestellen bei ihm – und es bleiben keine Wünsche offen bei den Fahrzeugen, die sowohl für den Transport der Rennwagen und Motorräder, aber auch als Ingenieurbüro sowie als Aufenthaltsort für Fahrer und Mechaniker konzipiert sind. „Der Kunde soll sich fühlen, als ob er in New York, Paris oder Tokio sitzt, wenn er in einem unseren Trailer an der Bar seinen Drink nimmt“, so der 58-Jährige. Dem Kunden das Außergewöhnliche, das Exzellente, das Überraschende zu bieten – das ist sein Anspruch. Es begann, als Rennfahrer Timo Bernhard 2014 mit einem Schadensfall an seinem LKW in den Betrieb kam. Als er sah, dass bei Axel Jung Spezial-Nutzfahrzeuge produziert werden, fragte er, ob auch die Fertigung von Race Trailern möglich wäre.
Race Trailer
New York, Paris oder Tokio? Wo auch immer, an der Bar im Race Trailer lässt es sich aushalten.
Homburg Hof Race Trailer
In Homburg steht der Hof voll mit verschiedenen Race Trailern
Eine Idee, die Axel Jung sofort packte: Er machte sich auf an den Hockenheimring zur DTM und zeigte den Teams seine Entwürfe. „Ich bin durch die Fahrerlager getingelt wie ein Staubsaugervertreter.“ Ein äußerst erfolgreicher Staubsaugervertreter: Er kehrte mit Aufträgen von sage und schreibe fünf Teams zurück – unter anderem ABT, Bonk, HTP und Manthey Racing. Seitdem läuft das Geschäft: Er fertigt rund 25 Trailer im Jahr, die europaweit bei Motorsportevents im Einsatz sind.

Worauf er besonders stolz ist: Der komplette Bau der Trailer findet in seinem Betrieb statt. Stahl- und Metallbau, Karosseriebau, der Innenausbau von Elektronik bis Schreinerarbeiten – in seiner Belegschaft sind Experten für alle Fälle. Und natürlich findet auch der krönende Abschluss – die Lackierung – hier statt: in der Großraumlackierkabine mit einer Länge von 25 Metern, einer Breite von sechs Metern und einer Höhe von acht Metern. Andere Ausmaße nimmt auch der zeitliche Rahmen ein, der für eine Lackierung angesetzt werden muss. „Wir sprechen hier von rund 400 Stunden Lackierarbeiten pro Trailer, die unter besonderen Herausforderungen stattfinden.“

Werkstatt Montage Race Trailer
In diesem Stadium noch nicht vorstellbar, dass dieses Gefährt einmal Büro, Aufenthaltsraum und Technikzentrale eines Rennteams wird
Die Kunden möchten ihre Trailer, die Nutzfahrzeugausmaße haben, in Pkw-Qualität lackiert wissen. Es kommt also hochwertiges Material aus dem Pkw-Bereich zum Einsatz – das aber unter komplett anderen Bedingungen verarbeitet werden muss. „Wir lackieren jeweils zu dritt, da es sich um Flächen von bis zu 120 Quadratmetern handelt – ein Spritzgang dauert rund vier Stunden.“ Bedeutet: Auch die Offenzeit beträgt dann bis zu vier Stunden – bei einem Material, das auf Ablüftzeiten von 20 Minuten ausgerichtet ist. Ist die Offenzeit länger, finden gerade bei den wasserbasierten Lacken andere chemische Prozesse statt – die wiederum das Ergebnis beeinträchtigen. Hier bewährt sich die seit über 20 Jahren bestehende Partnerschaft mit seinem Lacklieferanten. „Eine Challenge, die die Techniker von Spies Hecker für uns gemeistert haben. Die Lacke wurden speziell für unsere Bedürfnisse modifiziert, sodass wir im wahrsten Sinne des Wortes Glanzleistungen abliefern, wenn wir 120 Quadratmeter Metallic lackieren.“ Auch das Schleifen zwischen den Spritzgängen wird bei der Größe dieser Flächen zur Mammutaufgabe, die nur im Team bewältigt werden kann. In einem Team, auf das Axel Jung wahnsinnig stolz ist. Weil es für jedes Problem eine Lösung findet.

Wenn beim Kunden ein solches auftritt, sind er selbst und sein Geschäftsführerkollege Dennis Urgatz immer erreichbar, „außer, wenn wir schlafen“. Und beide können nach eigenem Bekunden in 90 Prozent der Fälle telefonisch weiterhelfen, weil für jeden Detailbereich ein kompetenter Ansprechpartner im Haus ist. Und wenn nicht, lacht er, „dann reitet sofort die Kavallerie an die Rennstrecke“. Da spricht einer, der mit Leidenschaft bei der Sache ist, der begeistert von dem ist, was er auf die Straße bringt. „Das Geschäft mit den Race Trailern, das sind Spiele ohne Grenzen. Es ist wirklich alles möglich, das ist das Faszinierende“, schwärmt er. Ob es die Photovoltaikanlage auf dem Dach ist oder der Prototyp mit Methanolbrennstoffzelle, der gerade entwickelt wird; ob es die optisch noch exklusivere Innenausstattung oder smarte Technologien sind: Der Fortschritt geht rasend schnell.

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