Die Auftragsbücher sind voll – die Halle auch. Bild: IDENTICA Barutzky

“Schichtbetrieb bleibt eine Option”

16.09.2020 | Team

Not macht erfinderisch: während des Lockdowns und auch noch in den nachfolgenden Wochen hat so mancher K+L-Betrieb seine Abläufe geändert. So zum Beispiel IDENTICA Barutzky im nordrhein-westfälischen Overath: hier gingen im März alle Mitarbeiter auf Kurzarbeit 50 und wechselten in den Schichtbetrieb (color.news berichtete) Wie ist heute der Stand? Junior-Geschäftsführer Marco Kasprzik gibt im Interview Auskunft.

Herr Kasprzik, blicken wir ein halbes Jahr zurück – wie war die Situation im März?
Marco Kasprzik: Wie ein schlechter Film. Von heute auf morgen mussten wir uns komplett umstellen. Wir sind in den Zweischichtbetrieb gewechselt, um im Falle der Infektion eines Mitarbeiters zu vermeiden, dass wir den kompletten Betrieb schließen müssen. Diese Herausforderung haben alle meine Mitarbeiter angenommen und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

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Wie hat sich die Auftragslage bei Ihnen seit März entwickelt?
Anfangs hatten wir noch genug Arbeit für zwei Sechs-Stunden-Schichten am Tag. Daraus wurden dann zwei Vier-Stunden-Schichten, damit war meine Belegschaft komplett auf Kurzarbeit 50.

Hat sich die Lage mittlerweile wieder normalisiert?
Glücklicherweise ja. Ab dem 1. Juli konnte ich alle Mitarbeiter wieder aus der Kurzarbeit holen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich zwar die Auftragslage noch nicht ganz reguliert, aber wir haben es so geregelt, dass jeder drei Wochen Sommerurlaub nehmen konnte. So hatten alle das volle Gehalt wieder. Und im Laufe des Sommers sind Hof und Auftragsbücher wieder voller geworden. Genau genommen hatten wir im August und auch jetzt im September mehr zu tun als in den vergangenen Jahren um diese Zeit.

Woran liegt es?
Ich vermute, dass es damit zu tun hat, dass viele, die sonst mit dem Flugzeug verreisen, in diesem Jahr auf das Auto umgestiegen sind. Viele sind auch gar nicht verreist, sondern haben eher Tagesausflüge gemacht. Und die Unfallschäden, die bei diesen Fahrten entstanden sind, landen dann bei uns.

“Wir haben mehr zu tun als in den vergangenen Jahren um diese Zeit.”

Marco Kasprzik

Blickt optimistisch in die Zukunft: Marco Kasprzik, Junior-Geschäftsführer von IDENTICA Barutzky. Bild: IDENTICA Barutzky

Wie läuft es mit dem Schichtbetrieb?
Wir haben ihn zu einem kleinen Teil aufrechterhalten. Der Großteil meiner 28 Mitarbeiter kommt um sieben Uhr morgens, ein Teil um acht und ein Teil um neun. So bieten wir dem Kunden verlängerte Öffnungszeiten. Damit aber jeder auf seine acht Stunden Arbeitszeit am Tag kommt, kann ich die Belegschaft schlecht in zwei Schichten einteilen, so wie es bei vier oder sechs Stunden Arbeitszeit möglich war. Grundsätzlich bin ich im Moment dabei, ein Gleitzeitsystem zu entwickeln, weil meine Mitarbeiter die flexiblen Arbeitszeiten schätzen gelernt haben. Eine Art Schichtbetrieb bleibt also auch für die Zukunft eine Option.

Wie steht es um das Thema Abstand, wenn nun wieder so viele Mitarbeiter gleichzeitig in der Halle sind?
Uns geht es so, wie es vermutlich vielen geht: Abstand halten ist ein Automatismus geworden. Ich verlasse mich hundertprozentig auf meine Belegschaft, was dieses Thema angeht. Jeder geht verantwortungsvoll mit der Situation um. Und es gilt: wer sich krank fühlt, bleibt konsequent zuhause. Zwei meiner Mitarbeiter habe ich wegen Symptomen zum Corona-Test geschickt, der zum Glück jeweils negativ war.

Apropos Zukunft: blicken Sie sorgenvoll oder optimistisch nach vorne?
Natürlich optimistisch! Aktuell haben wir einen Vorlauf von zwei Wochen, und wenn von unseren 32 Werkstattersatzwagen nur noch zwei auf dem Hof stehen, ist das definitiv ein gutes Zeichen. Und: wir konnten wie immer einen neuen Azubi einstellen, auch das ist für mich ein Stück der gewohnten Normalität.

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