Hier geht der Betrieb weiter: IDENTICA Barutzky im nordrhein-westfälischen Overath. Foto: IDENTICA Barutzky

Umgeschichtet

18.05.2020 | Team

Wie die Umstellung auf Schichtarbeit in einem 30-Mann-Betrieb funktioniert, wie die Belegschaft damit umgeht und welche positiven und negativen Nebeneffekte die Änderung der Arbeitsabläufe hat: Dazu haben wir bei IDENTICA Barutzky im nordrhein-westfälischen Overath nachgefragt. Das Team sammelt seit Mitte März Erfahrung in Sachen Schichtarbeit.

30 Mitarbeiter, in Folge der Corona-Pandemie immer weniger Aufträge. Für Marco Kasprzik – wie für viele andere Unternehmen unserer Branche auch – ein Grund, seine Betriebsabläufe in Frage zu stellen. Und damit neue Wege zu finden, die Kosten zu minimieren, das Team zusammenzuhalten und letztendlich wie gewohnt für die Kunden da zu sein. Gemeinsam mit seinem Großvater Albert Barutzky leitet er das Unternehmen IDENTICA Barutzky in Overath.

Als am 16. März der Shutdown begann, zögerten beide nicht lang und luden die Belegschaft zur Teambesprechung. Tagesordnungspunkt: Umstellung auf Schichtbetrieb. Und zwar vor allem aus diesem Grund: „Wir wollen vermeiden, dass im Falle einer Corona-Infektion alle Mitarbeiter nach Hause müssen. Dann können wir hier dichtmachen. Durch die Aufteilung in zwei Teams, die sich nicht begegnen, wollen wir dieses Risiko minimieren”, erklärt Marco Kasprzik.

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Marco Kasprzik IDENTICA Barutzky

Junior-Geschäftsführer Marco Kasprzik hat das Schichtsystem mit seinen Mitarbeitern abgestimmt. Foto: IDENTICA Barutzky

Positive Reaktionen der Mitarbeiter

Im Fall der Fälle müssten dann nur 15 Mitarbeiter und nicht die komplette Belegschaft in Quarantäne, hofft der 22-Jährige. Außerdem: Der Mindestabstand von 1,50 m lässt sich einfacher einhalten, wenn nur die Hälfte der Belegschaft gleichzeitig in der Halle ist. Die Mitarbeiter reagierten positiv auf die Umstellung. Und wie sieht es heute aus, hat sich Schichtüberdruss eingestellt? „Die Jungs sind nach wie vor zufrieden mit dem Modell und würden es auch gerne beibehalten, wenn wieder mehr Normalität einkehrt”, sagt der Juniorchef. Viele fänden die neue Flexibilität vor allem mit Blick auf ihren Familienalltag attraktiv.

In der ersten Woche fuhren die Lackierer und Karosseriebauer zwei Sechs-Stunden-Schichten, mit einer Pause zwischen Früh- und Spätschicht, um Oberflächen wie z.B. Türklinken desinfizieren zu können. Um nicht Kurzarbeit anmelden zu müssen, bekamen alle für diese Woche 1,25 Urlaubstage abgezogen.

Das Modell war jedoch nur von kurzer Dauer, weil die Aufträge signifikant zurückgingen. Kasprzik musste die Belegschaft auf Kurzarbeit 50 setzen. Seitdem gibt es zwei Schichten à vier Stunden. Das hatten sich alle so gewünscht: Das Modell, jeweils eine Woche voll zu arbeiten und danach eine Woche frei zu haben, stieß nicht auf Gegenliebe. „Uns allen hier tut es gut, wenn wir täglich zur Arbeit kommen. So bleibt die Struktur im Alltag erhalten”, sagt Kasprzik. Neben diesem psychologischen Faktor gibt es aber auch ganz praktische Gründe. Viele im Team haben ihr besonderes Steckenpferd, etwas, worin sie absoluter Experte sind. Solche Profis werden einfach jeden Tag gebraucht.

Schichtarbeit: Auch negative Seiten

Nachteile? „Nun ja. Erstmal umziehen, dann mit einem Auto anfangen und dann bist du gerade warmgelaufen, hast fast schon Feierabend und ziehst dich wieder um”, sagt Kasprzik. Stichwort: Effizienz. Insgesamt schafft das Team weniger, was auch an dem zusätzlichen Aufwand in Sachen Hygiene liegt. Eine halbe Stunde geht fürs Reinigen und Desinfizieren des Auto-Innenraumes drauf. Um Termine einhalten zu können, ist seine Crew maximal flexibel. Manch einer bleibt schon mal zwei Stunden länger, wenn die Kabine gerade läuft und dadurch am Abend noch ein Auto mehr fertig wird. „Natürlich dürfen im Moment keine Überstunden aufgebaut werden. Dafür kann der Mitarbeiter dann z.B. früher ins Wochenende.“

Mit den zunehmenden Corona-Lockerungen steigen die Auftragszahlen langsam wieder, stellt Kasprzik fest. Er hofft, dass er Ende Juni wieder auf das Sechs-Stunden-Modell umstellen kann. Denn damit war die Effizienz besser, der Durchsatz in der Kabine höher und, nicht zu verachten: „Der zusätzliche Nebeneffekt, dass wir dem Kunden verlängerte Öffnungszeiten anbieten können.“ Fazit: Schichtbetrieb im K&L-Betrieb kann problemlos funktionieren, wenn reibungslose Abstimmung untereinander gegeben ist und alle zu Flexibilität bereit sind.

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