Durch Fahrassistenzsysteme werden voraussichtlich die Kosten für Reparaturschäden sinken. Bild: metamorworks/shutterstock.com

Assistenzsysteme lassen den Schadenmarkt schrumpfen

2.11.2020 | Werkstatt

Fahrerassistenzsysteme verbreiten sich in Neufahrzeugen immer weiter – und sie werden zunehmend das tun, wofür sie entwickelt wurden: Unfälle verhindern oder zumindest ihre Schwere verringern. Bliebe der Fahrzeugbestand gleich, würde das den Reparaturmarkt bis 2030 um 20 bis 25 Prozent schrumpfen lassen.

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Zwar haben die Automobilhersteller ihre Vorhersagen für den Start wirklich autonomer Fahrzeuge weitgehend wieder einkassiert – sie werden deutlich später kommen als lange angenommen. Doch die Automatisierung schreitet voran. In neuen Fahrzeugen finden sich immer mehr Assistenzsysteme, die Fahrerinnen und Fahrer entlasten und manchen gefährlichen Fehler des Menschen am Steuer ausbügeln. In günstigsten Fall verhindern sie Unfälle. Wenn das nicht gelingt, können sie zumindest oft die Aufprallgeschwindigkeiten und damit die Schwere der Crashs reduzieren.

Kfz-Schäden Entwicklung

Trotz des weiterhin wachsenden Fahrzeugbestands in Deutschland erwarten die Versicherungsunternehmen, dass Fahrerassistenzsysteme den Aufwand für Unfallschäden deutlich verringern werden. Bild: Bkomm

„Aftersales: Der stille Fluch der Assistenzsysteme“ überschreibt die Unternehmensberatung Bain & Company dann auch ihre Prognose für den Markt. In ihrer Studie berechnen die Berater, dass die fortschreitende Ausstattung der Fahrzeuge mit Assistenzsystemen den Umsatz mit Unfallreparaturen merklich senken wird. „Je nach Level der Fahrassistenz reduziert sich die Unfall-Häufigkeit und Unfall-Schwere recht deutlich“, erläutert Dr. Eric Zayer, Partner und Automobilexperte bei Bain & Company, gegenüber color.news. Bis 2030 geht er von einem relativ großen Anteil an Fahrzeugen mit Level-1- und Level-2-Automatisierung aus. Ein kleinerer Teil werde Level-3-Systeme haben, fast ein Viertel der Fahrzeuge noch keine Assistenz. „Im Schnitt reduzieren sich die Unfall-Reparaturen bis 2030 um 20 bis 25 Prozent. Auf Grund des wachsenden Car-Parks gibt es jedoch mehr Fahrzeuge die Unfallreparaturen benötigen. Dies kompensiert den Rückgang teilweise, sodass wir mit einer Reduktion bei Unfallreparaturen von sechs bis neun Prozent rechnen“, betont Zayer.

 

Erwarteter Rückgang der Schadenssumme um bis zu 15 Prozent

Diese Prognosen ähneln jenen der Versicherungswirtschaft. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat dafür zwei Szenarien berechnet: Wenn sich Assistenzsysteme in den Fahrzeugen nur langsam verbreiten, erwartet der GDV bis 2035 einen Rückgang bei den Versicherungsschäden durch Unfälle um 6,9 Prozent. Kommt es zu einer schnellen Verbreitung, so wird ein Rückgang um 15,2 Prozent erwartet. In beiden Fällen ist das Wachstum des Fahrzeugbestands bereits berücksichtigt.

„Im Schnitt reduzieren sich die Unfall-Reparaturen bis 2030 um 20 bis 25 Prozent“

STAGNATION DER AFTERMARKET-UMSÄTZE 

Reparaturmarkt Deutschland

Der gesamte Aftermarket wird in der neuen Welt der Mobilität leiden, sagen die Berater von Bain & Company voraus. Zuwächse im Fahrzeugbestand reichen gerade aus, um ein Schrumpfen zu vermeiden. Bild: Bkomm

Um den Grad der Fahrzeugautomatisierung zu beschreiben, hat sich eine sechsstufige Skala etabliert. Dabei steht Level 0 für keine automatisierten Fahrfunktionen und das höchste Level 5 für Fahrzeuge, in denen die Automatik alle Fahraufgaben und die Verantwortung übernimmt. Schon Fahrzeuge mit Parkassistenten, Bremsassistenten und Spurhaltesystemen senken Bain zufolge die Unfallwahrscheinlichkeit um 30 Prozent und die Schwere von Unfällen um zehn Prozent. Das entspricht nach der gängigen Klassifizierung dem Automatisierungslevel 2.

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