Auch Kundenkontakt in Werkstätten muss digitaler werden.

Digital in die Zukunft

29.07.2022 | Werkstatt

Der rasante technologische Wandel sorgt in der K&L-Branche nicht nur für Veränderungen, sondern verlangt auch konkrete Ansätze und Lösungen. Diese sind erforderlich, um Betriebe fit für die Zukunft zu machen.

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Schon seit Jahren ist von Digitalisierung in K&L-Betrieben die Rede. Zeit also, zu spezifizieren, was genau damit gemeint ist und wie sich digitale Maßnahmen in den Werkstattalltag implementieren lassen. Von der Kundenannahme über WhatsApp sowie der darauffolgenden Auftragserstellung, die Farbtonbestimmung und -Ausmischung bis hin zur Lagerverwaltung – für so gut wie alle Arbeitsschritte gibt es heutzutage (smarte) Software-Lösungen, mit denen sich auf Dauer viel Zeit und Geld sparen lassen.

Während zumindest die digitale Auftragsverwaltung wahrscheinlich bereits seit Jahren in den meisten Empfangs- oder Annahmebereichen von K&L-Betrieben etabliert ist und dort auch WhatsApp-Business immer mehr genutzt wird, sieht es im eigentlichen Reparaturbetrieb in der Werkstatt noch anders aus. Der Grund: Dort wird nicht nur Software, sondern auch Hardware benötigt, um Prozesse zu digitalisieren. Investitionen, vor denen viele Werkstätten noch zurückscheuen. Dabei sind die Kosten gar nicht mehr so hoch und zahlen sich sehr schnell aus.

Das lässt sich am Beispiel des K&L-Betriebs AKuszmann – Karosserie und Lack sehen, der vor einem Jahr mit der Digitalisierung seiner Werkstattabläufe begonnen hat. Die Firma von Achim Kuszmann in Ursensollen bei Nürnberg führt die Farbtonbestimmung seitdem mit dem Messgerät ColorDialog Phoenix in Kombination mit der zugehörigen Farbtonmanagement-Software Phoenix durch. Auch die Ausmischung von Reparaturlacken – ein Vorgang, der mit herkömmlicher Technik besonders zeitkritisch und fehleranfällig ist – erfolgt dort mittlerweile vollautomatisiert mit dem Mischsystem Daisy Wheel 3.0: Das innovative System besteht aus einem ständig rotierenden Rad, in dem die Basisfarben untergebracht sind. Mittels einer speziellen Waage und Magnetventilen kann das Daisy Wheel alle Komponenten einer Mischformel präzise einwiegen. Vorteil: Während Daisy Wheel den Lack ausmischt, kann sich der Lackierer anderen Aufgaben zuwenden. Außerdem kann der Materialverbrauch reduziert werden, da geringere Mengen ausgemischt werden können. „Die Digitalisierung von Farbtonbestimmung und -ausmischung macht sich ziemlich schnell im Alltag bemerkbar. Daher haben wir nun auch begonnen, unsere Lagerverwaltung dementsprechend umzustellen“, erzählt Kuszmann.

Das führt uns zum nächsten Punkt. Denn die Verwaltung der Lagerbestände funktioniert in vielen Betrieben noch überwiegend analog. Dabei lassen sich Bestandskontrolle, Aufwand und Bestellung mittlerweile deutlich effizienter gestalten. Mit der auch von AKuszmann genutzten Software AIM (Advanced Inventory Management) können Betriebe beispielsweise gut zwei Arbeitsstunden pro Woche einsparen. Das funktioniert so: Alle vorhandenen Produkte werden vorab erfasst, um den Ist-Bestand sichtbar zu machen. Daraufhin wird pro Artikel ein Mindestbestand bestimmt. Wird ein Lack oder Füller aus dem Regal genommen und benutzt, scannt man dessen EAN-Code einfach mit einem herkömmlichen Barcode-Scanner (idealerweise mit Bluetooth-Verbindung) ab. Dieser wird dann automatisch vom Ist-Bestand abgezogen. Wenn nun der Mindestbestand erreicht wird, landet der Artikel automatisch im Einkaufswagen. Die cloudbasierte Software wird unter anderem von der Lackmarke Spies Hecker angeboten.

Um K&L-Betriebe mit diesen Umstellungen nicht allein zu lassen, bieten viele Lackhersteller mittlerweile spezielle Beratungs- und Dienstleistungen an. Das Unternehmen Axalta hat diese unter dem Namen Drivus gebündelt und unterstützt so Werkstätten bei der Implementierung digitaler Lösungsansätze wie Daisy Wheel oder AIM. Das Ziel: die vollständige Vernetzung aller Prozesse in der Werkstatt in einer Cloud. Ein Weg, den auch Achim Kuszmann aktuell gemeinsam mit Drivus geht. Der Bayer findet: „Eine halbherzige Digitalisierung bringt in meinen Augen wenig.“

 

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