Neben steigender Effizienz hat eine saubere Lackierkabine auch Einfluss auf die Lackierqualität. Bild: shutterstock/il21

Effizienz steigern durch Sauberkeit und Ordnung

21.06.2021 | Werkstatt

In optimierten Prozessen und Wegen stecken beachtliche Einsparpotenziale. Effizienzsteigerungen von 15 bis 25 Prozent sind möglich. Durch Pflege und Wartung der Lackierkabine und des Equipments lassen sich lästige Staubeinschlüsse verhindern, die wiederum Zeit und Geld kosten.

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„Sauberkeit und Ordnung gehören zusammen“, stellt Marina Markanian von der bpr Mittelstandsberatung klar. „Viele Betriebe unterschätzen, wieviel weniger Zeit sie für die gleichen Aufträge bräuchten, wenn zum Beispiel nicht nach Werkzeug gesucht werden muss. In Analysen wurde festgestellt, dass durch regelmäßige Prozessoptimierungen Effizienzeinsparungen von 15 bis 25 Prozent möglich sind.“

Das Besen-Beispiel

Bei einem ihrer Beratungsfälle benötigte auf den gesamten Betrieb gesehen eine Vollzeitkraft 30 von 250 Arbeitstagen im Jahr, um einen Besen zu suchen. Stellt sich die Frage: Kaufe ich lieber drei Besen oder organisiere ich meinen Betrieb besser? Im Sinne des Lean-Managements, also der Optimierung eines Betriebs, empfiehlt die Unternehmensberaterin, Ablageorte von Werkzeugen durch Markierungen festzulegen. Die Ordnung innerhalb des Werkstattwagens verdeutlicht ein Foto am Abstellort. „Wichtig ist, dass Führungskräfte dafür sorgen, dass diese gewonnene Zeit der Mitarbeiter sinnvoll genutzt wird.”

Preisverleihung bei Spies Hecker

Ein sauberer und ordentlicher K+L-Betrieb macht Kunden, Schadensteuerer und Mitarbeiter zufriedener. Bild: shutterstock/Bell Ka Pang 

Sieger Azubi Akademie

„Viele Betriebe unterschätzen, wieviel weniger Zeit sie für die gleichen Aufträge bräuchten, wenn zum Beispiel nicht nach Werkzeug gesucht werden muss”, stellt Marina Markanian fest. Bild: bpr Mittelstandsberatung

Gemeinsam Ziele erreichen

In Fällen „schludriger” Mitarbeiter können laut der Betriebsberaterin verschiedene Führungsinstrumente eingesetzt werden. Bestehende Bonussysteme und Zielvereinbarung können um Ordnung und Sauberkeit ergänzt werden, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Damit beide Seiten wissen, wo es hingehen soll, ist ein klar formuliertes Jahresziel entscheidend: Der Werkzeugwagen muss in Ordnung gehalten werden. Dieses Ziel wird in unregelmäßigen Abständen kontrolliert und bei Erreichen erhält der Mitarbeiter einen Bonus oder andere Anreize. Neben der Sauberkeit und Ordnung in der Werkstatt sind Büros und Sozialräume nicht zu vernachlässigen, denn diese sind für die Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitsatmosphäre wichtig, gibt Markanian zu bedenken. 

Frank Forst, Vertriebsleiter Spies Hecker

Jürgen Sterzik von Wolf Geisenfeld weiß, wie durch gepflegte und saubere Kabinen gute Lackierergebnisse erzielt werden. Bild: Wolf

Lackierer-Erzfeind Staub

Für gute Arbeitsergebnisse sollte der K+L-Betrieb möglichst staubfrei sein, vor allem die Lackierkabine und ihre nähere Umgebung. Jürgen Sterzik vom Lackierkabinenhersteller Wolf rät dies schon beim Layout der Werkstatt zu beachten. Im Vorraum zur Kabine wird das Fahrzeug üblicherweise mit einer Folie maskiert und steht dort eine Weile. In dieser Zeit setzt sich Staub vom Schleifen auf der Folie ab und wird in die Kabine getragen. Die Lüftungsanlage wirbelt den Staub auf und später beim Lackieren entstehen unschöne Einschlüsse. „Im Idealfall sind die verschiedenen Arbeitsbereiche baulich voneinander getrennt und über ein Schnelllauftor verbunden“, empfiehlt Vertriebsleiter Sterzik.

Verselbstständigte Kabinen und schmutzige Anzüge

Die Lackierkabine sollte mindestens einmal im Jahr gründlich gereinigt werden, wobei auch das Lüftungsaggregat und die Rückluftkanäle nicht außer Acht gelassen werden dürfen, merkt der Fachmann von Wolf an. Neuralgische Stellen sind Gummidichtungen der Türen und Tore, an denen sich mit der Zeit Verkrustungen durch Farbnebel bilden können.

 

Die Dichtungen sind daher sauber zu halten, was durch Einreiben mit einem silikonfreien Fett erleichtert wird. Übersättigte Farbnebelabscheider führen zu erhöhtem Überdruck in der Kabine, der sogar Türen aufdrücken kann. Dies verursacht unkontrollierte Luftbewegungen innerhalb der Kabine, wodurch der Overspray nicht mehr sauber nach unten abgeführt wird. Der rechtzeitige Wechsel des Farbnebelabscheiders ist daher unerlässlich für ideale Lackierbedingungen, führt Sterzik aus.

Ein weiteres Einfallstor für Staub und Verunreinigungen ist der Lackierer selbst: „Zum Lackieren sollte er stets einen Lackieranzug tragen, der den kompletten Körper bedeckt. Manchmal sehen wir in Betrieben, dass in der normalen Arbeitskleidung lackiert wird”, berichtet Kabinen-Fachmann Sterzik. Sauberkeit und Ordnung sparen nicht nur Zeit und Geld, sondern machen hervorragende Lackierergebnisse möglich. Der runde Eindruck vom Betrieb ist damit ungetrübt wie die frisch aufgetragene Lackierung.

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