Andreas Schanz (links) und Identica-Systemberater Stefan Linderer: Der Karosserie- und Lackierbetrieb arbeitet seit 2017 mit dem Werkstattnetz zusammen. Bild: Bkomm

Effizienzsprung durch Hightech und ausgefeilte Prozesse

29.09.2020 | Werkstatt

Andreas Schanz hat sich sein Geschenk zum Jubiläum selbst gemacht. Zehn Jahre nach dem Start katapultiert er seinen Karosserie- und Lackierbetrieb in eine neue Ära: Im Neubau laufen alle Prozesse mit modernster Technik effizienter und ergonomischer. Digitalisierung bringt einen Extra-Schub.

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„Alle sind sehr positiv überrascht – manche sogar sprachlos.“ So beschreibt Identica-Partner Andreas Schanz die Reaktionen seiner Kunden, die einen Blick in seinen neu gebauten Karosserie- und Lackbetrieb in Neuenstadt am Kocher werfen. Statt 350 Quadratmetern wie im bisherigen Gebäude stehen den Mitarbeitern nun rund 1500 Quadratmeter Werkstattfläche mit modernster Technik zur Verfügung. Dazu kommen Büro- und Lagerbereiche. Die Flächen sind so aufgeteilt, dass die Fahrzeuge nicht mehr auf verschlungenen und verwinkelten Wege durch den Reparaturprozess laufen, sondern in äußerst effizienten Prozessen bearbeitet werden.

Investitionen von 4,1 Millionen Euro

So wundert es auch nicht, dass der zuständige Identica-Systemberater Stefan Linderer von einem „Vorzeigebetrieb“ spricht. Für dieses Ergebnis hat der 34-jährige Andreas Schanz immerhin 4,1 Millionen Euro investiert. Obwohl der Umzug von der West- auf die Ostseite der Autobahn A81, wenige Kilometer nordöstlich von Heilbronn, mitten in die Corona-Krise fiel, ist dem Unternehmer um die Zukunft nicht bange. Schließlich war sein alter Standort schon so stark ausgelastet, dass dort sogar ein Zweischichtbetrieb gefahren wurde, um die Aufträge abzuarbeiten.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben dem Betrieb nur mäßige Einbußen gebracht. „Im Mai hatten wir einen Rückgang um höchstens 15 Prozent. Ab Juni war die Welt wieder in Ordnung“, fasst der Lackierermeister Schanz die wirtschaftliche Lage zusammen. Dementsprechend hält er auch an seinen Wachstumsplänen fest. Direkt nach dem Ende Juli erfolgten Umzug hat er seine Belegschaft aufgestockt. Bis dahin bestand sein Werkstatt-Team aus einem Lackierermeister sowie sechs Gesellen und Azubis im Lackbereich sowie aus zwei Meistern, einem Gesellen und ein Azubi im Karosseriebereich. Für beide Gewerke hat Schanz insgesamt sechs neue Mitarbeiter eingestellt, dazu noch weitere in anderen Bereichen.

Optimierung bis ins letzte Detail

Die Grundlage für weiteres Wachstum hat Schanz mit der Ausstattung und den optimierten Abläufen seines neuen Betriebs gelegt. „Wir haben alle Flächen und Anlagen so konzipiert, dass wir prozesssicher und effizient mit wenig Rangiertätigkeiten arbeiten können“, beschreibt Schanz die Strategie. Das gilt besonders für den Lackbereich, wo sich die Abläufe gut standardisieren lassen. Bei der Planung nutzte er gern die Unterstützung von Identica-Experten, um die Arbeitsprozesse bis in die letzten Details zu optimieren.

Ausgestattet sind alle Vorbereitungsplätze mit Deckenzuluft und Bodenabsaugung. So strömt von oben stets Frischluft herab und die mit Lack oder Schleifpartikeln befrachtete Luft wird direkt abgesaugt. Daher ist die Luft am Arbeitsplatz stets geruchs- und partikelfrei. Zudem steht den Mitarbeitern an jedem Arbeitsplatz eine Hebebühne zur Verfügung. So sinkt die Belastung durch ergonomisch ungünstige und anstrengende Körperhaltungen.

Multiplat: Fahrzeug-Grundierung, -Lackierung und -Politur

Am Multiplatz werden die Fahrzeuge vorbereitet, grundiert, gefüllert, lackiert und poliert, sodass keine Rangierarbeiten anfallen. Bild: Bkomm

HighTech im Karosseriebereich

Hightech: Im Karosseriebereich verfügt der Betrieb über einen Achsmesstand mit Achsmessroboter und eine computergesteuerte Richtbank. Bild: Bkomm

An zwei Multiplätzen werden kleine Reparaturen, die bis zu zwei Bauteile betreffen, durchgeführt. Zwischen den Plätzen können die Mitarbeiter bei Bedarf Vorhänge von der Decke herunterlassen, damit eine Trennung zum Fahrzeug im Nachbarbereich gewährleistet ist. Das sowie die Zuluft- und Absaugtechnik erlauben es den Mitarbeitern, direkt vor Ort zu grundieren, statt das Fahrzeug dazu in eine Spritzkabine rangieren zu müssen.

Für die größeren Reparaturen gilt die Regel: Pro Prozessschritt ein Arbeitsplatz. Die Räume für Vorbereitung, Abkleben, Lackieren, Trocknen und Polieren sind so aneinander gereiht, dass sich ein flüssiger Durchlauf mit minimalen Transportwegen von einem Schritt zum nächsten ergibt. Und wo immer Trockenvorgänge anstehen könnten, sind an der Decke Infrarotstrahler beweglich montiert, sodass diese stets griffbereit und sofort einsetzbar sind.

Die Effizienzsteigerung macht Andreas Schanz an einem Beispiel deutlich: „In unserem alten Betrieb fanden Lackierung und Trocknung in einem Raum statt. Wenn dort ein Fahrzeug lackiert worden war, blieb es noch eine weitere Stunde zum Trocknen – und blockierte die Kabine. Nun wird das Fahrzeug nach dem Lackieren in die Doppeltrockenkabine verschoben, und in der Lackierkabine wird sofort das nächste Auto lackiert.“

Im Karosseriebereich verfügt der Betrieb nun über einen Achsmesstand mit Achsmessroboter, eine computergesteuerte Richtbank, eine Kalibrierung von Fahrerassistenzsysteme, Diagnosegeräte und die neuesten Scheinwerfereinstellgeräte.

Andreas Schanz Spies Hecker

Andreas Schanz: Der 34-jährige Unternehmenschef hat für seinen Karosserie- und Lackier-Betrieb einen Neubau errichtet. Bild: Bkomm

Für optimale Prozesse reicht Effizienz allein in den Werkstattabläufen allerdings nicht aus. Um planen zu können, müssen die Mitarbeiter dort auch im Voraus wissen, wann die Fahrzeuge eintreffen und welche Arbeiten erledigt werden müssen.

Ständiger Informationsaustausch mit den Kunden

Dafür hat Andreas Schanz den Informationsaustausch mit seinen Kunden, den Autohäusern, verbessert. Sobald etwa ein Autohaus einen Reparaturtermin mit einem Autobesitzer vereinbart, bekommt das Team von Schanz eine Mitteilung dazu: Wann wird das Fahrzeug in der Werkstatt eintreffen, und was muss repariert werden. Ergebnis: In der Regel beginnt die Arbeit sofort, wenn das Fahrzeug angekommen ist. Geht es nur um nicht allzu große Lackierarbeiten wie etwa bei einer neuen Tür, bekommt das Autohaus ein morgens angeliefertes Fahrzeug meist schon abends fertig zurück.

„Wir arbeiten prozesssicher, effizient und mit wenig Rangiertätigkeiten“

Den Informationsaustausch will Schanz automatisieren und dadurch weiter optimieren. Bislang laufen die Vorabinformationen noch per E-Mail oder Telefon in seinem Betrieb ein. „In einem Pilotprojekt mit einem Autohaus testen wir gerade ein Schadenportal eines externen Dienstleisters. Dort werden alle relevanten Daten eingestellt; alle Beteiligten, vom Autohaus über den KL-Betrieb, den Sachverständigen, den Rechtsanwalt bis zur Buchhaltung sind angeschlossen und bekommen so direkt alle für sie relevanten Informationen“, erläutert er. Dieses System will Schanz auf möglichst viele Kunden ausdehnen.

Mit all den Verbesserungen in der Werkstatt und den vorgelagerten Prozessen hat der Unternehmer sich bestens auf das anstrebte Wachstum vorbereitet. Ausdehnen will Schanz unter anderem das Geschäft mit Schadensteuerern. Direkt nach dem Umzug ins neue Gebäude hat er einen weiteren als Kunden gewonnen.

Zwar gilt die Arbeit für Schadensteuerer oft als nicht lukrativ. So kam kürzlich eine Analyse des Bundesverbands der Partnerwerkstätten (BVdP) zum Ergebnis, nicht einmal 20 Prozent der Betriebe in der Schadensteuerung gelinge es, mit den aktuellen Stundenverrechnungssätzen ihre Betriebskosten zu erwirtschaften. Doch Schanz sieht es anders: „Wenn man effizient aufgestellt ist, kann man damit auch Geld verdienen“, betont der Unternehmer.

Für die weitere Ausweitung seines Geschäfts hat er etwa Leasingunternehmen und Flottenbetreiber sowie weitere Versicherungen im Blick. „Bei der Akquise ist es definitiv hilfreich, sich als Identica-Betrieb präsentieren zu können“, weiß Schanz, der seit 2017 mit dem Werkstattnetz zusammenarbeitet.

Wachsende Belegschaft

Das Wachstum erfordert natürlich eine Aufstockung der Belegschaft – dem Fachkräftemangel zum Trotz. Auch dabei bringt der neue Betrieb Vorteile. Zwar hatte Schanz seit er vor zehn Jahren das Unternehmen übernommen hat auch am alten Standort kontinuierlich die Mitarbeiterzahl erhöht und dank des guten Betriebsklimas nur eine geringe Fluktuation. Doch die neue Werkstatt mit modernster Technik und ungewöhnlich ansprechendem Äußeren, das Andreas Schanz selbst entworfen hat, erhöht die Attraktivität für Fachkräfte noch einmal deutlich. „Bei der Ergonomie haben wir nicht nur einen, sondern gleich fünf Schritte nach vorne getan“, hebt der Inhaber hervor.

„Auch das Erscheinungsbild macht sehr viel aus. Die Handwerker möchten gerne mit modernen Maschinen arbeiten, in einem modernen Betrieb mit guten Arbeitsbedingungen und einem guten Betriebsklima“, erläutert der 34-Jährige. Direkt nach dem Umzug bekam er beispielsweise mehrere Initiativ-Bewerbungen von Lackierern, denen der Neubau aufgefallen war. Und sie wussten noch nicht einmal, dass Schanz noch weitere Pläne zur Verbesserung des Arbeitsumfelds umsetzt. Bis Ende des Jahres wird im neuen Gebäude auch ein Fitnessstudio bereitstehen, in dem die Mitarbeiter nach der Arbeit noch etwas Sport betreiben und sich privat austauschen können. An weiteren Zukunftsplänen mangelt es Schanz nicht. Er hat bereits ein Grundstück direkt neben seinem neuen Betrieb reserviert.

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