Günter Baumann, Geschäftsführer der Herrmann GmbH Karosserie + Lack in Elztal

Es gibt kein Allheilmittel

8.11.2022 | Werkstatt

Anfang 2022 stiegen die Energiepreise europaweit um 28,6 Prozent an. Eine Entspannung ist angesichts der prognostizierten weiteren Kostensteigerungen bei Gas und Erdöl nicht absehbar. Nicht nur die Großindustrie, sondern gerade auch kleine und mittlere Unternehmen, die wie Lackierbetriebe einen hohen Energieverbrauch haben, trifft die Kostenexplosion besonders hart. Unterstützung gibt es derzeit wenig. So ist die Lage in den Betrieben.

 

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Bei der Herrmann GmbH in Elztal kommen nicht nur Pkw, sondern auch große Silofahrzeuge in die Lackierkabinen. Entsprechend hoch ist der Energiebedarf des Unternehmens. Inhaber Günter Baumann hat seinen Betrieb deshalb schon vor einiger Zeit von der Beleuchtung bis zur Nutzung eines modernen Druckluftsystems komplett auf Energiesparen ausgerichtet. Vor fünf Jahren hat er die Lackieranlagen modernisiert und von Öl auf ein Blockheizkraftwerk umgestellt, das mit Erdgas betrieben wird und den Betrieb mit Strom und Wärme versorgt. „Durch die hohen Gaspreise sind wir momentan leider an einem Punkt, an dem wir trotz BHKW vielleicht schon wieder draufzahlen“, sagt er. „Ich denke deshalb darüber nach, eine neue Kosten-Nutzen-Rechnung dazu zu beauftragen. Außerdem plane ich, den Energieversorger zu wechseln, um überhaupt noch Kosten einsparen zu können. Allerdings ist es derzeit nicht einfach, einen geeigneten Lieferanten zu finden. Ein Dienstleister, der mir die Konditionen der Anbieter in meiner Region zusammenstellt und für unseren Bedarf die derzeit günstige Option raussucht – das könnte ich jetzt gut gebrauchen!“

Das klingt ganz nach einem Job für das Ingenieurbüro vom Lehn. Das Unternehmen führt seit Jahren Energieeffizienzberatungen für Gewerbe und Industrie durch und hat momentan besonders viel zu tun. „Wir schauen uns bei unseren Beratungseinsätzen vom Zustand der Gebäudetechnik bis zur Beleuchtung alle Aspekte des Unternehmens genau an. Nur so können wir für den Betrieb Maßnahmen entwickeln, die sich wirtschaftlich lohnen und einen entsprechenden Effekt auf den Energieverbrauch haben“, so Robin Kaiser. „Auch wenn man es sich angesichts der angespannten Lage wünschen würde: Eine einfache und allgemeingültige Lösung für die Karosserie- und Lackierbetriebe gibt es leider nicht – dazu sind die Voraussetzungen und Anforderungen der Unternehmen viel zu unterschiedlich.“

Thomas Koch, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens cenvis, gibt derweil zu bedenken: „Wie sich die Energiepreise und besonders die Verfügbarkeit von Energie entwickeln werden, lässt sich momentan schwer abschätzen.“ Sein Rat lautet dennoch schon jetzt: „Reduzieren Sie Verschwendung! Das Potenzial ist erheblich. Ich empfehle Ihnen insbesondere zu prüfen, welche Einsparmöglichkeiten Sie selbst mit einfachen Mitteln und geringen Kosten umsetzen können. Lassen Sie sich für größere Investitionen von neutralen Experten beraten. Für viele Investitionen und übrigens auch für die Energieeffizienzberatung selbst werden vom Bund und den Ländern Fördermittel bereitgestellt. Auch hier sollten sie auf die Unterstützung von erfahrenen Energieberaterinnen und Energieberatern zurückgreifen.“

Fakt bleibt: Die Versorgungslage ist angespannt und die Aussichten für den Winter sind unklar. „Wir fordern mehr Unterstützung für die Karosserie- und Lackierbetriebe in dieser schwierigen Situation“, sagt Margarita Debos, Manager Loyality Programmes & FLI, Geschäftsbereich Autoreparaturlacke. „Es kann nicht sein, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen im energieintensiven Fahrzeuglackiergewerbe allein gelassen werden.“

Mehr Texte zum Thema in der aktuellen Color News Ausgabe.

 

 

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