Fahrzeugdesinfektion: Drei Arbeitswerte haben AZT, ZKF und IFL als durchschnittlichen Aufwand für die beiden Reinigungen nach der Annahme und vor der Rückgabe ermittelt. Bild: ZKF/Michael Zierau

Versicherung muss für Desinfektion zahlen

22.10.2020 | Werkstatt

Für eine Unfallreparatur stellte die Werkstatt 3262,39 Euro in Rechnung. Die Haftpflichtversicherung weigerte sich aber, die darin enthaltenen 60,87 Euro für die Desinfektion des Fahrzeugs zu erstatten. Das Amtsgericht Heinsberg verurteilte die Versicherung zur Zahlung. AZT und ZKF haben berechnet, wie hoch der durchschnittliche Aufwand ist.

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Gehört in Corona-Zeiten die Desinfektion der Oberflächen in einem Fahrzeug zur Unfallreparatur? Mit dieser Frage musste sich das Amtsgericht im nordrhein-westfälischen Heinsberg befassen, weil eine Haftpflichtversicherung die Kosten dafür nicht erstatten wollte. In dem vom Heinsberger Rechtsanwalt Jürgen Frese erstrittenen Urteil stellte sich die Amtsrichterin auf die Seite des geschädigten Autobesitzers. Der hatte die Reparaturrechnung über 3262,39 Euro bei der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers eingereicht. Die darin enthaltenen 60,87 Euro für die Desinfektion hatte die Versicherung allerdings nicht erstattet.

Die Richterin schrieb ins Urteil: „Es sind auch die Kosten für eine Fahrzeugdesinfektion zu erstatten. Eine solche ist in Zeiten der Corona-Pandemie nach erfolgter Reparatur eines Fahrzeugs, die ein Berühren des Fahrzeugs durch Dritte erfordert, notwendig. Der Betrag ist auch der Höhe nach nicht zu beanstanden, sondern für den anfallenden Material- und Arbeitseinsatz angemessen (§ 287 ZPO).” (Aktenzeichen 18 C 161/20). Das Urteil ist rechtskräftig, weil angesichts des geringen Streitwerts eine Berufung nicht möglich ist.

Aufwand für die Desinfektion beträgt drei AW

Welcher Aufwand für die Desinfektion aus technischer Sicht nötig ist, haben aktuell das Allianz Zentrum für Technik (AZT), der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) sowie die Interessengemeinschaft Fahrzeugtechnik und Lackierung (IFL) in einer gemeinsamen Studie untersucht. Das Ergebnis: „Der erforderliche Arbeitsaufwand für eine zweimalige Desinfektion (bei Fahrzeugannahme und vor Fahrzeugrückgabe) beträgt durchschnittlich drei AW [Arbeitswerte, Anm. d. Red.], egal für welche Art der Desinfektion (Wischdesinfektion oder Desinfektion durch Kaltvernebelung) der jeweilige Betrieb sich entscheidet. Die Kosten für benötigtes Verbrauchsmaterial betragen maximal einmalig 7,50 Euro pro Auftrag bei zweimaliger Desinfektion.“ Diese gelte vom Kleinwagen über die Mittelklasse bis hin zu Großraum-Vans und Transportern.

Weitere Informationen sind auf den Seiten des AZT und des ZKF zu finden, wo auch die Studie zum Download bereitsteht.

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