Auftragsarbeit für ein Fahrgeschäft im Europa-Park Rust. Bild: Axalta  

Vom großen und kleinen Nischen-Glück

29.09.2021 | Werkstatt

Knöpfe, Märchenfiguren oder Filmkulissen: Lackierwerkstätten, die Autos instandsetzen, haben theoretisch auch das Potenzial, sich weitere Geschäftsfelder in anderen Bereichen zu erschließen. Arno Steyns, Spies Hecker-Experte für Industrie- und Nutzfahrzeuglackierung, kennt Betriebe, die den Blick über den Tellerrand gewagt haben und gibt eine Einschätzung dazu.

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Herr Steyns, was sind die spektakulärsten Lackieraufträge, die Ihnen bisher begegnet sind?

Wir haben einen Kunden, der für die Babelsberger Filmstudios die Kulissen mit Spies Hecker Systemen lackiert – von aus Holzfaserplatten hergestellte Brücken über Häuser bis hin zu ganzen Straßenzügen. Ein anderer Betrieb zeichnet sich verantwortlich für die Beschichtung der Fahrgeschäfte und Figuren im Europa-Park in Rust, mit den unterschiedlichsten Untergründen. Wieder ein anderer lackiert medizinisches Mobiliar für Arztpraxen, der nächste Segelflugzeugteile. Dann fällt mir noch ein Betrieb ein, der Teile aus dem Maschinenbau wie etwa Bagger-Meißel beschichtet, die zum Abreißen für Häuser eingesetzt werden.

Kfz-Schäden Entwicklung

Lackierte Knöpfe eines türkischen Partners. Bild: Axalta 

Kfz-Schäden Entwicklung

Arno Steyns, Spies Hecker Experte für Industrie- und Nutzfahrzeuglackierung. Bild: Axalta

Wie kommt man als klassische Karosserie- und Lackierwerkstatt an solche eher exotischen Aufträge?

Meist wenden sich lokale Unternehmen selbst an den K&-Betrieb in der Nähe. Es lohnt sich aber definitiv, ein offenes Ohr zu haben und sich genau umzuschauen, wenn man an einem Zusatzgeschäft interessiert ist. Dazu natürlich immer die Online-Präsenz pflegen – als virtuelle Visitenkarte. Darauf achten verstärkt die größeren Unternehmen bei ihrer Suche nach geeigneten Partnern. Bei den genannten Beispielen kam oft erst ein kleinerer Auftrag zustande, der sich dann zu einer umfangreicheren Geschäftsbeziehung entwickelte. Unser Kunde beispielsweise, der die Segelflugzeugteile lackiert, hat inzwischen die Mitarbeiter des Flughafens übernommen, die früher die Teile lackiert haben.

Unter welchen Voraussetzungen lohnt sich Ihrer Meinung das Nischen-Geschäft?

Sinn macht es besonders dann, wenn kein zusätzliches Equipment benötigt wird. Wenn das zu lackierende Objekt in die bisherige Lackierkabine passt und nicht zusätzlich investiert werden muss. Und manchmal sind es buchstäblich die kleinen Dinge, die sich lohnen, wie das Lackieren von Knöpfen. Es kann sich nicht jeder leisten, Mitarbeiter zu übernehmen – das muss auch nicht unbedingt sein. Das erforderliche technische Know-how können sich Betriebe auch selbst aneignen, wie ich bei vielen bisher erfahren habe. Sie sind allmählich in das neue Geschäft hineingewachsen. Fest steht: Alle mir bekannten Werkstätten mit einem Zusatzgeschäft aus der Industrielackierung oder speziellen Nischen waren in den letzten Monaten voll ausgelastet.

Kfz-Schäden Entwicklung

Meißel für Bagger zum Häuser abreißen. 
Bild: 
Axalta
 

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