Robert Langhammer: Der 38jährige Lackierermeister und Wirtschaftsingenieur will seinen Betrieb auch über den Neubau hinaus zügig weiterentwickeln. Bild: Bkomm

Wachsen mit Rundum-Service für Privatkunden

7.04.2021 | Werkstatt

Die Lackiererei Langhammer im oberbayerischen Schongau hat mit ihrem Umzug in ein Industriegebiet einen großen Entwicklungssprung getan. Inhaber Robert Langhammer treibt nun im Neubau am Stadtrand des Ortes den Einstieg in neue Geschäftsfelder voran. Und er plant schon weitere Expansionsschritte.

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Er hat es geschafft: „2015 habe ich mit einem Unternehmensberater zehn Szenarien für die Unternehmensentwicklung entworfen. Jenes, für das wir uns entschieden haben, sah vor: 2020 neuer Standort und ich als alleiniger Geschäftsführer des Lack- und Karosseriebetriebs“, berichtet Robert Langhammer. Seit Ende 2020 ist beides Realität. Alleiniger Geschäftsführer und Inhaber des Familienbetriebs wurde er bereits 2018, nachdem er die Anteile seines Cousins übernommen hatte. Und der neue Betrieb am Westrand von Schongau in Oberbayern nahm am 23. November 2020 die Arbeit auf.

Der Standortwechsel war unumgänglich geworden. Als Langhammers Großvater Josef, ein Lackierermeister, 1949 seinen Lackierbetrieb in Schongau gründete, stand das Gebäude fast allein auf weiter Flur. Inzwischen hat sich rundherum ein Wohngebiet entwickelt – denkbar schlechte Rahmenbedingungen für eine Expansion. Die trieb Robert Langhammer schon am alten Standort voran, erhöhte die Zahl der Beschäftigten seit 2018 von drei auf elf.

Sofort die Chancen des coronabedingten Caravan-Booms erkannt

Der Bau des neuen Betriebs im westlichen Schongauer Industriegebiet hatte gerade Fahrt aufgenommen, als Corona mitten in die Bauarbeiten hineinplatzte. „Aber an einen Abbruch des Projekts habe ich nie gedacht“, berichtet Langhammer. Eine Änderung an seinen Plänen nahm er allerdings vor. Eigentlich wolle er im neuen Betrieb auch direkt die Industrielackierung als weiteres Geschäftsfeld aufnehmen. Der durch Corona ausgelöste Caravan-Boom brachte ihn aber dazu, statt der Anlagen für die Industrielackierung zunächst einmal eine große Lackierkabine für Wohnmobile und Caravans einzubauen. Der Gedanke lag umso näher, da sein Lackpartner Spies Hecker Fortbildungen für Arbeiten im Caravanbereich anbietet.

Quasi aus der Corona-Not heraus hat der Unternehmer damit offenbar ins Schwarze getroffen. Das Geschäft mit Reparaturen im Caravan-Bereich läuft gut, wie er berichtet. Für die Restaurierung von T4-Bussen habe er so viele Anfragen, dass er gar nicht alle abarbeiten könne. Und in der fünf Meter hohen und zehn Meter langen Kabine für Caravans und Wohnmobile kann er auch Transporter wie Crafter oder Sprinter lackieren, was ihm weitere Aufträge von Autohäusern der Region verschafft. „Denn ich bin weit und breit der einzige mit diesen Möglichkeiten“, betont Langhammer.

Preisverleihung bei Spies Hecker

Lackpartner: Die Unterstützung durch Anwendungstechniker von Spies Hecker weiß Robert Langhammer besonders zu schätzen. Bild: Bkomm

Sieger Azubi Akademie

Der Neubau umfasst unter anderem drei Kombi-Kabinen, vier Lackiervorbereitungsplätze und eine mobile Hebebühne. Bild: Bkomm

Jetzt direkt an der B 472 – ein Quantensprung für die Sichtbarkeit

Doch entscheidend für den Erfolg des neuen Betriebs ist ein anderer Aspekt: „Es ist für mich ein Quantensprung, dass mein Unternehmen durch den Umzug jetzt endlich von vielen Menschen wahrgenommen wird“, betont Langhammer. Warum? Sein Unternehmen liegt jetzt direkt an der vielbefahrenen Bundesstraße 472. „Da fahren 15.000 Autos täglich vorbei; die Fahrer sehen meinen Betrieb mit dem Firmenlogo. Wenn die einen Schaden haben, fällt ihnen mein Name ein – dann liegt es nur noch an mir: Kann ich sie überzeugen oder nicht“, erläutert der Inhaber. Das scheint zu gelingen: „Am ersten Tag im neuen Gebäude war die Halle voll mit Kundenfahrzeugen“, erinnert er sich.

Das ist für Langhammer besonders wichtig, weil sein strategisches Ziel ist, sich breiter aufzustellen und einseitige Abhängigkeiten zu verringern. Für ihn heißt das vor allem: Mehr Privatkunden gewinnen. Am alten Standort lag das Verhältnis von Autohaus-Aufträgen zu Privatkunden bei 80 zu 20. Auch in diesem Punkt ist sein Plan aufgegangen – mittlerweile habe sich das Verhältnis umgekehrt, berichtet er. „In den ersten vier Monaten am neuen Standort hatte ich so viele Kundenanfragen, wie in den vier Jahren zuvor“, freut sich Langhammer über seinen Erfolg. Und zwar besonders, „weil mir vorher fast niemand geglaubt hat, wie vorteilhaft der Standort ist. Deshalb hatte ich auch von den meisten Banken Absagen bekommen“, so der Unternehmer.

Der kurzentschlossene Switch von Industrielackierungen zum Caravangeschäft und die Standortstrategie sind nur zwei Punkte, bei denen er sein Wissen als Wirtschaftsingenieur und seine Erfahrung als Vertriebsexperte – bis 2016 bei einem Anlagenbauer im Fördertechnikbereich – ausspielen kann. Klar ist für ihn auch, dass mit dem Fokus auf das Geschäft mit Privatkunden, eine optimale Qualität der Arbeit wichtiger denn je ist. Schließlich sollen die Autobesitzer wiederkommen und den Betrieb im Bekanntenkreis weiterempfehlen. Wobei Qualität für ihn auch zuvor schon Priorität hatte. Langhammer: „Es muss alles perfekt sein. Und wenn ich den Farbton nicht perfekt treffe, dann zahle ich den Fehlversuch selbst, lackiere erneut oder nehme einen Farbtonangleich vor, denn ich will ja, dass der Kunde völlig zufrieden ist und mich auch gerne weiterempfiehlt.“

Bei Problemen hilft der Anwendungstechniker von Spies Hecker

Dabei kommt ihm auch die Partnerschaft mit Spies Hecker zugute. Zum einen schätzt er die Fortbildungen, die der Lackhersteller anbietet. Wichtig ist für ihn aber auch, dass er sich darauf verlassen kann, dass der für ihn zuständige Anwendungstechniker ihn und sein Team vor Ort unterstützt, wenn Probleme, oder besonders schwierige Lackieraufgaben in Form von neuen Lacken in Form von Mehrschichtlackierungen auftauchen. „Der Anwendungstechniker hat mir sogar angeboten, meine vier Lehrlinge hier im Betrieb mit einem kurzen, praktischen Training zu unterstützen. Ich glaube, in diesem Feld ist Spies Hecker am besten aufgestellt“, sagt Langhammer.
Technisch ist der Betrieb natürlich auf der Höhe der Zeit. Neben der Caravan-Kabine, in der auch komplette Fahrzeugseiten lackiert werden können, verfügt er über zwei weitere Kombi-Kabinen, einen Multifunktionsarbeitsplatz für kleinere Reparaturen, vier Lackiervorbereitungsplätze, einen Spenglerarbeitsplatz, einen Mechanikerarbeitsplatz und eine mobile Hebebühne.

Gelegentlich setzt Langhammer die Technik auch zum Wohl seiner Schongauer Mitbürger ein. So half er beispielsweise, nachdem die öffentliche „Bücherzelle“ in Brand gesteckt worden war. Dabei handelt es sich um eine Telefonzelle mit Regalen, in denen gebrauchte Bücher zur freien Benutzung liegen. Nach dem zweiten Brandanschlag musste sie ersetzt werden. Ein lokales Unternehmen stellte eine gebrauchte Telefonzelle zur Verfügung, und Langhammer lackierte sie kostenlos gelb. Auch im Betrieb sieht man sein soziales Engagement. Drei der vier Lackierer-Azubis sind Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien. Für zwei von ihnen hat er auch die Wohnungsmietverträge abgeschlossen, weil sie sonst auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen hätten.

Frank Forst, Vertriebsleiter Spies Hecker

Ob Oldtimer oder modernstes Hightech-Fahrzeug – „es muss alles perfekt sein. Und wenn ich den Farbton nicht perfekt treffe, dann zahle ich den Fehlversuch selbst und lackiere erneut, denn ich will ja, dass der Kunde völlig zufrieden ist“, sagt Unternehmenschef Robert Langhammer. Bild: Bkomm

Expansion mit Privatkunden und neuen Geschäftsideen

Die stabilere Aufstellung durch den erhöhten Privatkundenanteil ist für Langhammer nur ein erster Schritt. So will er den Autofahrern künftig einen Rundum-Service bieten. Schon jetzt bekommen sie ein kostenloses Leihfahrzeug, die komplette Unfallinstandsetzungen inklusive Karosserie, Lack und Mechanik, Innen- und Außenaufbereitung und einen Hol- und Bringservice. Bei Versicherungsschäden übernimmt der Betrieb auch die komplette Korrespondenz.

„In den ersten vier Monaten am neuen Standort hatte ich so viele Kundenanfragen, wie in den vier Jahren zuvor.“

Langhammer expandiert auch in andere Felder. So hat er gerade Vereinbarungen mit zwei Schadensteuerern abgeschlossen, ein dritter dürfte bald hinzukommen. Darüber hinaus will er aber auch noch für andere Unternehmen Teile des Flottenmanagements übernehmen, also Instandhaltung, Reparaturen, Innen- und Außenaufbereitung und sogar die Entwicklung und Realisierung einer Corporate-Identity-Optik für die Fahrzeuge. Oldtimer-Restaurierungen hat der Betrieb schon jetzt im Programm. Das sei zwar kein großer Renditebringer, aber in der Corona-Krise hätten ihm zwei Porsche-Restaurierungen geholfen, Rückgänge bei den Unfallschäden auszugleichen, erläutert Langhammer.

An Plänen für die Weiterentwicklung mangelt es dem jungen Manager nicht. Weil er in der Region noch eine Lücke in der Abdeckung durch K+L-Betriebe entdeckt hat, möchte er diese mit einem weiteren Betrieb schließen. Der Einstieg in die Industrielackierung ist nicht vom Tisch, sondern nur aufgeschoben. Und dann ist da noch das Thema: Unternehmensentwicklung als Dienstleistung, das Langhammer ständig umtreibt. „Mir macht es einfach Spaß, Unternehmen voranzubringen“, betont er.

Andreas Schanz Spies Hecker

Weithin sichtbar: Als großen Vorteil sieht Robert Langhammer, dass sein Betrieb nun von der hinter dem Gebäude verlaufenden
und viel befahrenen Bundesstraße aus kaum zu übersehen ist. Bild: Bkomm

Mit Wirtschafts-Erfahrung das Handwerk zum Erfolg bringen

Diese Freude hat er in den vergangenen zehn Jahren entwickelt. Er ist eigentlich niemand, der das sprichwörtliche Benzin im Blut hat. Handwerker war er ursprünglich auch nicht, und der Einstieg ins Familienunternehmen nicht geplant. Doch als sein schwer erkrankter Vater ihn 2011, kurz vor seinem Tod, bat, die Firma fortzuführen, „da war für mich klar: Das ist meine Mission, das mache ich“, berichtet Robert Langhammer.

Heute weiß er: „Viele Handwerksbetriebe machen technisch hervorragende Arbeit, aber sie haben Probleme mit der Betriebswirtschaft, mit dem Marketing und der Kommunikation, mit der Strategie – da geht so viel kaputt in manchen Unternehmen. Die möchte ich coachen und unterstützen.“ Wann? Zunächst will er seinen eigenen Betrieb weiter voranbringen, „aber ein Büro für die Beratungsarbeit habe ich mir in meinem Neubau schon freigehalten“, merkt er schmunzelnd an.

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